Das Geschlecht der Allegorien. Tagung am Kulturwissenschaftlichen Institut des Wissenschaftszentrums Nordrhein-Westfalen, Essen, 5.8.12.1991

Susanne Von Falkenhausen, Kritische Berichte-Zeitschrift Für Kunst- Und Kulturwissenschaften
2013
Nach der Hausse in der literaturwissenschaftlichen Allegorieforschung der letzten Jahre in der Kunstgeschichte ist Ähnliches nicht zu verzeichnen war es an der Zeit, Strukturen und Politik der Geschlechterbilder in der Allegoriebildung zu dis kutieren, die bisher außer in Einzelstudien der literatur und kunstwissenschaftli chen Frauenforschung nicht thematisiert worden war. Die Literaturwissenschaftlerin Sigrid Weigel und die Kunstwissenschaftlerin nen Sigrid Schade und Monika Wagner brachten
more » ... n Kunstgeschichte, Literaturwis senschaft und Altphilologie zusammen, ungeachtet der Schwierigkeiten, die sich aus methodischen Unterschieden der Disziplinen wie aus der mittlerweile kaum noch zu überblickenden Vielfalt von Ansätzen und Definitionen zum Allegoriebegriff erge ben mußten. Entsprechend schwierig müssen die Vorentscheidungen zum Konzept der T a gung gewesen sein: Sollte das disparate Material nach methodischen, historischen oder inhaltlichen Gesichtspunkten geordnet werden? Das Resultat war eine Kombi nation, die es erlaubte, die Epochen von der Antike (CancikLindemaier) über das Mittelalter (LiebertzGrün), Renaissance und Barock (Konrad Hoffmann, Schade, Möbius, Kaulbach, Detlef Hoffmann), das 18. Jahrhundert (Pointon, von Braun mit einem Film zu den vergessenen Frauen der Französischen Revolution) bis zur Mo derne des 19. und 20. Jahrhunderts (Iversen, Riha, Wagner, Wenk, Ecker, Weigel, Schneider) ebenso vertreten zu sehen wie die wichtigsten Ansätze (Ikonographie und Motivforschung, Diskursanalyse, Psychoanalyse). Ein solches Vorgehen förderte einerseits die Möglichkeit, sich einen Überblick zu verschaffen, andererseits jedoch auch das Gefühl am Ende der T agung, ange sichts der Fülle des Materials zu übergreifenden Fragen nicht mehr vorstoßen zu können ein Phänomen, das nicht ausbleiben kann, wenn ein Thema zum ersten Mal sondiert wird. Die geplante Veröffentlichung der Tagungsbeiträge wird jedoch hof fentlich Grundlage und Anstoß zu weiteren Initiativen sein können. Die Tagung begann mit dem Vortrag von Marina Warner zu »The old woman, the crone and allegories of vice«, in dem sie das Motiv der »alten Vettel« als Personi fikation des Lasters durch die Jahrhunderte verfolgte. Methodisch blieb ihre Präsen tation ebenso wie ihr Buch »Monuments and Maidens. The Allegory of the Female Form« (1985, dt. 1989), das die Frauenforschung in diesem Bereich ins Rollen ge bracht hat, allerdings im Rahmen deskriptiver Motivforschung. Die Diskussion um 122 kritische berichte 4/92
doi:10.11588/kb.1992.4.11378 fatcat:errfse5fqzchfay2enpfbgdcdm