Big Brother [book]

Friedrich Balke, Gregor Schwering, Urs Stäheli
2001
M a s s e u n d M e d i u m : D e r C o n t a i n e r u n d s e i n e U m w e l t G r e g o r S c h w e r i n g / U r s S t ä h e l i Die aufgeregte und manchmal kaum zu haltende Masse vor dem Big Brother-Haus in Köln führte exemplarisch den Riss vor, der durch den Begriff der Massenmedien verläuft. Das unliebsame Erbe der Massentheorie und Massenpsychologie -gleichsam schon fast Insignien eines fehlgeschlagenen Versuchs, eine eigene wissenschaftliche Disziplin zu konstituieren -trägt der
more » ... en -trägt der Begriff der Massenmedien so sichtbar vor sich her, dass es normalerweise gefahrlos übergangen werden kann. In Köln-Hürth wurde das Unsichtbare jedoch plötzlich sicht-und vernehmbar. Was sich die Medienforschung ansonsten als anonyme Menge vereinzelter MassenkommunikationskonsumentInnen vorstellt, tritt nun unübersehbar und massiert im Mediendispositiv auf. Hier vereinigt Big Brother auf eigentümliche Weise Vorstellungen des massenmedialen Publikums, die unterschiedlicher nicht sein könnten: den standardisierten TV-Zuschauer, welcher allabendlich die Sendung verfolgt, den individualisierten Internet-Nutzer, der sich sein eigenes Sendeformat zusammenschneidet, sowie die an Gustave LeBons Thesen erinnernden Massenszenen vor dem Wohncontainer. Diese verschiedenen Konfigurationen der ›Publikumsmasse‹ werden nun selbst wiederum zum Medium für die von Big Brother und seine Umwelt Der Container
doi:10.14361/9783839400630 fatcat:jh4p6j4crzcsxjljxpueea7pmm