Königliche Verordnung über das Apothekenwesen in Bayern. (Schluß aus Nr. 28.)

1913 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Bei der Bereitung der Arzneien ist genau nach der ärztlichen Verordnung zu verfahren. Ohne Zustimmung des Arztes darf nichts geändert werden. Enthält die Verordnung einen offenbaren Irrtum, ist sie unleserlich geschrieben, oder ergeben sich sonst gegen den Vollzug Ausstände, so hat der Apotheker eine Berichtigung durch den Arzt zu veranlassen und bis dahin die Anfertigung zu unterlassen. In gleicher Weise ist zu verfahren, wenn sich in der ärztlichen Verordnung Verstöße gegen die Vorschriften
more » ... die Vorschriften des Arzneibuchs über die Höchstgaben finden. ist der Arzt nicht bald zu erreichen, oder ist die Verordnung nicht für ein Kind unter drei Jahren, so darf die Gewichtsmenge des Arzneimittels auf die Hälfte der im Arzneibuch vorgeschriebenen Höchstgabe zurückgeführt werden. Die Aenderung ist auf dem Rezepte zu vermerken und der Arzt unverzüglich zu verständigen. Homöopathische Arzneimittel dürfèn nur dann abgegeben werden, wenn entweder die Arzneien fertig aus einer homöopathischen Apotheke bezogen oder in einem besonderen hierfür eingärichteten Raume bereitet werden. Ohne ärztliche Verordnung (im Handverkaufe) dürfen vorbehaltlich der Vorschriften über dén Verkehr mit Giften, sämtliche Arzneimittel zu anderen als zu Heilzwecken, und die im Verzeichnisse der starkwirkenden Arzneien nicht enthaltenen Mittel auch zu Heilzwecken abgegeben werden. Den Apothekern ist es natürlich verboten, mit Aerzten Verträge über die Zuweisung von Arzneibedürftigen zu schließen oder ihnen Vorteile dafür zu gewähren. In Zweigapotheken müssen alle Mittel, die zur Verwendung als Arzneien oder zur Herstellung solcher bestimmt sind, aus der Stammapotheke bezogen werden. Die Betriebsbewilligung von sogenannten Anstalt sapo tb eke n darf von einem Apotheker, einem entsprechend befähigten approbierten Arzte oder von einer sonst als befähigt anerkannten Person ausgeübt werden. Als letztere kommen nur solche in Betracht, die nach Ableistung eines zweijährigen Vorbereitungsdienstes in einer Vollapotheke oder in einer Krankenhausapotheke die erforderliche Befähigung in einer Prüfung vor der Kommission für die pharmazeutisehe Vorprüfung nachgewiesen haben. In die8en Apotheken darf äuch der Arzt sowie die sonst als befähigt anerkannte Person Arzneien anfertigen. Nr. 29 Was die Hausapotheken von Aerzten betrifft, so gelten für diese im allgemeinen dieselben Vorschriften wie für die öffentlichen Apotheken. liJeber die Erteilung der Bewilligung entscheidet die Regierung, Kammer des Innern, nach Einvernehmen mit dem Kreismedizinalausschuß. Der Antrag auf Bewilligung einer ärztlichen Hausapotheke wird von der Distriktsbehörde den Besitzern der benachbarten Apotheken zur Angabe von Erinnerungen und zur etwaigen Bewerbung um die Bewilligung zur Errichtung einer Zweigapotheke binnen einer ausschließenden Frist von vier Wochen mitgeteilt. Die Bewilligung darf nur unter der Voraussetzung erteilt werden, daß ein unabweisbares Bedürfnis besteht und der Betrieb einer selbständigen Apotheke oder einer Zweigapotheke nicht bewilligt werden kann. Die Bewilligung ist jederzeit widerruflich. Die Befähigung zur Führung einer Hausapotheke ist durch ein Universitäts-Zeugnis über den Besuch von Uebungen in der Arzneizubereitung während mindestens eines Semesters oder in einer Prüfung vor der Kommission für die pharmazeutische Vorprüfung nachzuweisen. Die Hausapotheke ist in einem geeigneten und entsprechend eingerichteten Raume unterzubringen. Wie in den öffentlichen Apotheken müssen vorrätig sein: das Deutsche Arzneibuch, die Deutsche Arzneitaxe und die einschlägigen, das Apothekenwesen berührenden Vorschriften, d. h. die Verordnung über das Apothekenwesen und die zum Volizuge dieser Verordnung erteilte Anweisung, die Vorschriften über den Verkehr mit starkwirkenden Arzneien und die Beschaffenheit und die Bezeichnung der Arzneigläser und Standgefäße in den Apotheken, die Vorschriften über den Verkehr mit Giften, mit Geheimmitteln, mit Wein und mit Siißstoff, die Maß-und Gewichtsordnung, dann die Eichordnung für das Königreich Bayern. Aerzte ohne Hausapotheken sowie Zahnärzte dürfen bei Ausübung des Berufes Arzneien in Notfällen, oder soweit sie die Arzneien selbst örtlich anwenden, abgeben und für diese Zwecke vorrätig halten. Unter örtlicher Anwendung sind im Sinne dieser Verordnung Einspritzungen, Einträufelungen, Einpinselungen und ähnliche Vorrichtungen zu verstehen. Die Arzneien sind aus Apotheken des Wohnorts oder der Nachbarorte zu beziehen. Mit der Heilberatung und Heilbehandlung von Menschen und Tieren darf sich ein Apothekenvorstand oder deaen pharmazeutisehes Hilfspersonal nicht befassen. Nur in dringenden Fällen, wie bei gefährlichen Verletzungen oder Vergiftungen, dürfen mangels rechtzeitiger ärztlicher Hilfe die für entsprechend erachteten Mittel abgegeben werden; doch ist dafür zu sorgen, daß beim Eiñtreffen eines Arztes diesem hiervon sofort genaue Mitteilung gemacht wird. Die Erteilung einer einfachen, die Anwendung eines 1iittels erläuternden Anweisung ist gestattet. Ijeber die Verpflichtung zur Wahrung des Berufageheimnisses enthält die Verordnung keine besondere Vorschrift, da sich diese schon aus dem § 300 des Strafgesetzbuches ergibt. Der Betrieb aller Arten von Apotheken untersteht der Aufsicht der Distriktsverwaltungsbehörden und der Regierungen, Kammern des Innern. Er wird außerdem noch von den Bezirksärzten und den ärztlichen Referenten bei den Regierungen beaufsichtigt. Man unterscheidet hierbei zwischen Besichtigungen und Musterungen. Die ersteren werden von den Bezirksärzten und den ärztlichen Regierungsreferenten vorgenommen, die letzteren in der Regel von approbierten Apothekern gemeinschaft. lich mit den genannten Amtsärzten oder Regierungsreferenten. Die Apotheker und das pharmazeutische Hilfspersonal haben dabei das Betreten sämtlicher Betriebsräume zu gestatten und jede erforderliche Unterstützung zu gewähren; dagegen sind sie nicht verpflichtet, die Einsichtnahme in die nach dem Handelsgesetzbuche zu führenden Bücher (oder in das Umsatztagebuch) zu gestatten. Die Aufsicht über die Führung und über die Abgabe von Arzneien in Kranken-und ähnlichen Anstalten, über die Führung, Abgabe und Anwendung von Arzneien durch Hebammen, Bader und sonstige, in der niederen Gesundheitspflege beruflich tätige Personen wird bei der allgemeinen Beaufsichtigung dieser Anstalten und Personen geübt. Dieses Dokument wurde zum persönlichen Gebrauch heruntergeladen. Vervielfältigung nur mit Zustimmung des Verlages.
doi:10.1055/s-0028-1128608 fatcat:3clj5bcyvzfw3itmbmtav2xaqa