Georg Meissner †

O. Damsch
1905 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Am 30. März d. J. erlag der Senior der Göttinger medizinischen Fakultät, der Professor der Physiologie Georg Meissner, 75 Jahre alt, den Folgen eines Schiaganfalles, von dem er wenige Tage zuvor betroffen worden war. Bereits ini Jahre 1901 hatte M eis s n e r freiwillig auf seine akademische Tätigkeit verzichtet. Es waren nicht ernstere Schäden seiner Gesundheit, welche ihn hierzu veranlaßt hatten; sein überaus strenges Pflichtbewußtsein ließ es ihm bei seiner geistigen Frische sehr bedenklich
more » ... he sehr bedenklich erscheinen, seine Pensionierung zu erbitten. Ausschlaggebend für seinen Rücktritt war die Erwägung, daß eine gewisse Altersgrenze auch dann dazu berechtige und verpflichte, wenn geistige und körperliche Leistungsfähigkeit des Mannes es noch nicht dringend erfordern". Noch mehrere Jahre eines rührigen, wenn auèh einsamen Lebens waren Meissner vergönnt, in denen er seinen mathematischen und physikalischen Neigungen entsprechend arbeiten konnte, nur von einem kleinen Kreise aufrichtiger Freunde umgeben, deren Besuche für Meissner ebenso belebend und erfrischend wie für die Freunde anregend und belehrend waren. Am 19. November 1829 zu Hannover geboren, begann Meissner seine medizinischen Studien in Göttingen und stand hier vornehmlich unter dem Einfluß Rud. Wagners, den er zusammen mit Biliroth 1851 nach Triest zwecks zootomischer Studiün begleitete. Nach Göttingen zurückgekehrt, widmete sich Meissner unter Wagners Leitung anatomischen Untersuchungen über die MEndausbreitung sensitiver Nerven", welche 1852 zur Auffindung der Tastkörperchen in der Haut führten. Bezeichnend f hr Meissner sind die schlichten Worte, mit denen er dem mehrfach bestrittenen Anteil Wagn ers an dieser Entdeckung gerecht wird. in der Widmung an Wagner, mit welcher er seine Beiträge zur Anatomie und Physiologie der Haut" der Oeffentlichkeit übergab, sagt Meissner: Durch Sie erhielt Sinn und Bedeutung, was ein Zufall dem Schüler entdeckte etc.". Nachdem Meissner 1852 in Göttingen promoviert hatte, wandte er sich nach Berlin, später nach München, um unter Job. Müller und C. Th. von Siebold seine Studien fortzusetzen. Neben physiologischen waren es immer noch zoologische Untersuchungen, welchen M e is sn ers Interesse galt; in diese Zeit fallen seine Unter-'uchungen über die Physiologie des Sehorgans und Beobaehtungen über das Eindringen der Samenelemente in den Dotter. -Die Entdeckung der Tastkörperchen hatte inzwischen allseitige Bestätigung gefunden und M ei ssn ers wissenschaftlicbén Ruf be: Dieses Dokument wurde zum persönlichen Gebrauch heruntergeladen. Vervielfältigung nur mit Zustimmung des Verlages.
doi:10.1055/s-0029-1188125 fatcat:rhp5qxldefc4tlf33svrzhptay