Ueber die Blutveränderungen bei Vergiftung mit Kalium chloricum1)

O. Huber
1912 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Vergiftungen durch Kalium chioricum kommen heutzutage selten vor, sodaß die Erscheinungen dieser Vergiftung wohl nicht allgemein bekannt sind. Insbesondere trifft dies auf die Veränderungen an den roten Blutkörperchen zu, über die selbst in manchen neueren Lehrbüchern nähere Angaben ganz fehlen. Und doch beanspruchen gerade diese Veränderungen ein besonderes Interesse, da sie eine eigentümliche degenerative Erscheinung darstellen und in dieser Form bei keiner Krankheit spontan vorkommen Sie
more » ... n vorkommen Sie sind daher diagnostisch von großer Bedeutung, freilich nicht spezifisch für Kalium chioricum, sondern für eine Gruppe von Giften, die weiter das gemeinsam haben, daß sie Hämoglobin in Methämoglobin umwandeln. Man unterscheidet bekanntlich verschiedene Blutgifte nach der Art ihrer Wirkung. Als die wichtigsten Gruppen führe ich folgende an: 1. Gifte, die einfache Hämolyse verursachen, die roten Blutkörperchen soweit auflösen, daß nur die Schatten übrig bleiben. Sekundär kann dabei ein Teil des gelösten Hämoglobins in Methämoglobin umgewandelt werden. Hierher gehört z. B. artfremdes Blutserum, Arsenwasserstoff etc. 2. Gifte, die die Erythrozyten morphologisch unversehrt lassen, aber das Hämoglobin chemisch verändern, in eine funktionsunfähige Modifikation überführen, z. B. Kohlenoxyd und Blausäure. 3. Gifte, die ebenfalls keine Hämolyse, dagegen morphologische Veränderungen machen. Hierher gehört das Blei, das das Auftreten der basophilen Punktierung verursacht. 4. Gifte, die das Hb auslaugen und in Methämoglobin umwandeln, daneben aber die Erythrozyten morphologisch so verändern, daß innerhalb dieser eigentümliche Innen-
doi:10.1055/s-0029-1189869 fatcat:4jcfd3sz5red3iiub7w7joa3ui