Gute und schlechte Arten

A. Kerner
1865 Plant Systematics and Evolution  
V~ Die Ausfahrung yon Versuchen behufs der Ermittlung der Be= ziehungen zwischen Boden und Pflanzengestalt ist gar sehnell und leicht vorgeschlagen, stellt sich abet bei der Inangriffuahme als ein recht mtihsames und schwieriges Ding dar. Die Versuche, welche in neuerer Zeit in M(ickern bei Leipzig, Weende bei Hannover und an einigeu anderen Orten mit wissenschaftlicher Genauigkeit zur Ermittlung tier ffir gewisse Kultm'pflauzen nothweudigen anorganischeu Nahrungsmittel ausgeftihrt werden,
more » ... ftihrt werden, haben nattirlich ftir die bier in Rede stehende Frage nach der formwandelnden Kraft des Substrates keinen Werth, und was sonst noeh aus iilterer und neuerer Zeit vorliegt, kann wohl gleichfalls grSsstentheils als far unsere Zweeke unbrauehbar bei Seite gestellt werden. Ho ffma n n erwiihnt zwar in seinen jfingsten hSchst interessanten Arbeiten, einschl~giger im botanisehen Garten zu Giessen ausgeft'lhrter V-ersuehe 1), gibt abet' nichts Ni~heres fiber dieselben an und erkliirt nur, durch dieselben zu keineu erhebliehen Resultaten gekommen zu sein. Ich glaube abet, dass diese IlesulLattosigkeit yon neuerlichen Versuchen nicht ahschreekeu daft und halte mieh vielmehr mit lltieksicht auf die im Innsbrueker botanischen Garten in tier letzten Zeit gewonnenen Erfolge ermuntert, dieselben noch im ausgedehnteren Massstabe als bisher in Angriff zu nehmen. Die bisherigen Versuehe wurden in folgender Weise ausgeftihrt. Samen yon einem und demselben Pflanzenindividuum wurden in Erdmischungen gestiet, die mit aller entspreehendea Vorsieht zubereitet uud gegen Yermengung gesichert worden waren und yon welchen die eine nur kalkiose, die andere reichtich kalkhaitige Bestandtheiie enthielt. Die auf kalklosem Substrate aufgekeimten Pflanzen Wul'den mit Regenwasser, jane auf kalkreiehem Boden mit kalkhifltigem Ouellwasser begossen. --Da man bei dem Gartenpersonale far derartige gersuche nicht jenes Verst~indniss und Interesse voraussetzen kann, welches allein die nothwendige Geduld, Ausdauer, Genauigkeit und Gewissenhaftigkeit verbfirgt und da anderseits jades Restdtat werthlos ist~ bei dessert Gewinnung man nicht die Beruhigung uad Ueberzeugung hat, dass bei den zu Grunde liegeaden Experimeuteu file Fehlerquellen nach bestem Wissen und Gewissen eliminirt wurden, so wurde die Pflege der in tier angegebenen Weise kultivirten Pfianzen aussehliesslieh yon mir selbst oder dem vollstiindig verliisslichen botanischen Universit~itsg~irtner Zimmeter tibernommen.--Urn aueh nicht durch den Wust einer allzu umfaugreichen Versuchs-') Beilage zur ,~Bo(~anischea Zeitung ~ t865~ S. 88,
doi:10.1007/bf01624942 fatcat:l6v46r2akras5kxyx2bpvsjtmq