Die neueren Ansichten über den Bau und das Wesen der Zelle. IV. (Fortsetzung aus No. 44.)

W. Waldeyer
1895 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Fortsetzung aus No. 44.) IV. Als clon zweiten unerlässlichen und wesentlichen Bestandtlieil jeder Zelle haben wir vorhin den Zellenkern (Nucleus) bezeichnet. Der Zelleiikern, sclilichthin "Kern", war schon geraume Zeit vor der Aufstellung des jetzigen Begriffes "Zelle" bekannt. So bildet ihn, wie eingangs bemerkt, z. B. bereits Fontana (I. e.) ab; als bewusster Entdecker muss aber Robert Brown1) genannt werden, der ihn als constantes Gebilde bei Pflanzenzellen erkannte und ihm auch den Namen
more » ... m auch den Namen gab; er nannte ihn Nucleus of the cell" oder auch ,Areola". Schleiden2) bezeichnete ihn mit Rücksicht auf die ihm zugeschriebene Bedeutung für die Zellenhildung als "Cytoblastus". Noch ist hervorzuheben, dass mit dem Keimbläschen des Ejes schon 1825 Purkynè3) den thierischen Zellkern gefunden hatte. -Seither war über den feineren Bau ds Kerns bekannt, dass er bestehe aus einer Membran, der sogenannten "Kernmernbran" und einem Inhalte. Letzterer wieder sollte sich zusammensetzen aus einem festeren Fadenwerke in Netzform, dem Kerngerüste, in dessen Maschenräumen eine helle, mehr flüssige Masse, der ,Kernsaft" (O. Hertwig) enthalten wäre. Dass die Kerne eine relativ grissere Menge Flüssigkeit enthalten als das Protoplasma und dass sie eine deutliche Membran haben, wird allseitig angenommen und daraus die Bläschenform der Kerne erklärt. Die Membran erscheint zuweilen als eine doppelte, immer aber gitterförmig durchbrochen; mit den festen Theilen ihres Gitterwerks hängen die Netzfäden des Kerninhalts zusammen. Bemerkenswerth sind die in der neueren Zeit insbesondere im Fettgewebe beschriebenen Ring-oder Lochkerne (J. Arnold, Flemming, B ellonci, Meves, Göppert und Unna4). Sie eatstehen entweder bei der Mitose, indem das Loch an Stelle der Spindelfäden bleibt, oder durch eine Vacuolisirung mit Durchbruch 1) R. Brown, On the organs and mode of fecundation in orchideae and asclepiadeae.
doi:10.1055/s-0029-1200025 fatcat:ur6urlcskjbrlnusrtytdi5pfu