Zur altsächsischen Grammatik

Rudolf Kögel
1894 Indogermanische Forschungen  
Zur altsächsischen Grammatik. 277 -got. swos ahd. swas, falls man ö nicht als Umlaut zu betrachten hat; spöca 'Speiche' 13. -Dass thon G 3745. 3865 und on C 292, 372. 500 = ags. don on ein o haben, das nicht mit den übrigen Stammsilben-o auf gleiche Linie gestellt werden darf, da es wie die o in westgermanischen Flexionssilben direkt auf idg. o zurückgeht, weiss Gallee natürlich selbst. Das Gleiche gilt wahrscheinlich auch von fona neben fana, und, ausserhalb der Stellung vor Nasalen, sicher
more » ... h von of. Vor l findet der gleiche Austausch in old und fold statt, aber diese Fälle hätten nicht mit jenen vermischt werden sollen, denn sie sind von ganz anderer Art. Was zunächst old anlangt, so hätte Gallee wohl auf die weite Verbreitung dieser Form mit einem Worte hinweisen dürfen. Altsächsisch begegnet sie noch oft in Ortsnamen: in oldan aJcJcaron Crecelius Coll. l, 7; Oldendorp Oldenhoim Oldenrheni Förstemann 2, 51 ff. Dazu kommen die lebenden plattdeutschen Mundarten, in denen vielfach old oder oll gilt. Aber die Form greift über das Sächsische hinaus, da sie weder dein Friesischen fremd ist, vgl. Richthofen S. 596, Siebs Zur Geschichte der englischfriesischen Sprache, Halle 1889 S. 58, van Helten Altostiriesische Grammatik S. 4, noch dem Hochdeutschen, wo sie durch ahd. ionoltres aliquando Gl. l, 804, 19 (neben ionaltres), nionoltres haud umquam Gl. 2, 639, 43, vor allem aber durch wer-olt vorausgesetzt wird, und dieses Wort, das im Altsächsischen einzig und allein in der Form uuerold auftritt, hätte Gallee in § 20 neben old nicht unerwähnt lassen sollen. Da nun im Ahd. neben o auch u vorkommt in uuerultlihchem Benedict.-R. 110, 9 und uueruldi Weissenb. Kat. (zweimal), so ist klar, wie old zu beurtheilen ist. Es geht zurück auf *uldo-, *lto-und stellt die Tiefstufe zu aldo-oder vielmehr *althodar, denn im Sächsischen sind ja die Gruppen Ith und Id zusammengefallen. Die ahd. Form alt darf man gewiss als Mischprodukt aus *ald und *olt betrachten, vgl. elthiron eldiron parentes T., alihrom parentibus Gl. K. 97, 16 = got alpiza. Auf Ablautsbewegung ist nun ohne Zweifel auch das o von vtf-fold 'fünffach 3 und vivoldar c SommervogeF zurückzuführen. Denn auch hier partizipieren andere Dialekte an der in Rede stehenden Form: niederfränk. finden wir sie in PS. 68, 5 gimanochfoldoda und Gloss. Lips. 959 tuuifolda ancipites, ahd. mehrmals bei Otfrid und im Glossar Ic 252 Nyer. in der Brought to you by | Goethe Universität Authenticated Download Date | 10/25/17 3:11 PM 278 Rudolf Kögel, Zusammensetzung einfölt (Beitr. IX 323). Auf gleicher Linie steht nun ferner -bold in Namen, z. B. Frethubold Werdener Urk., und hagastold neben ahd. hagastalt ags. hcegsteald, vgL got. aglaitgastaldsj langob. gastaldius, und diese Fälle hätten wohl in § 20 ein Plätzchen finden können. Die gleichgeartete Ablautsform Tiolon neben Jialon ist den bis jetzt bekannten altsächsischen Denkmälern fremd. § 20 Anm. 2 und 3, den Übergang von a in e betreffend, der hie und da vom friesischen auf das sächsische Gebiet hinüberreicht. Gallee führt nur zwei Beispiele dafür an,. es gibt aber mehr. Die Belege aus den Merseburger Glossen, forsekenun remmtiatis, degq die, thet sind allerdings wohl fernzuhalten. Aber der Dativ von dag kehrt in der zitierten Form dege auch im Mon. 4333 wieder, wenn auch der Korrektor dage hergestellt hat; ferner steht gles 'Glas' = ags. glces nordfries. gles in den Strassb. Gloss. 119 Heyne, und dazu tritt als ganz gleichgeartet und zu befreien vom Verdachte angelsächsischer Einwirkung cefter G 78 = ags. cefter afries. efter. Weiteres Material gewähren die Corveyer Urkunden ed. Wigand, wo namentlich wieder deg 'Tag' öfter vorkommt: Ösdegeshüson 12, Herdeg 82, Gerdegheshtlsi 439. Dem von Gallee beigebrachten Belege des e vor r + Konsonant schliessen sich an Ailherd Corv. 22, Siherd 40, MercsuU 82, Fridugert 268. Dieser Lautwechsel ist sonst friesisch: berd ' Bart 3 , erm 'Arm', hermschere -ahd. harmscara, merk 'Mark', swert Schwarz', therm c Darm 5 usw., van Helten § 2. Den Berührungen der altsächsischen Mundarten mit den benachbarten friesischen sollte Gallee in der zweiten Auflage etwas mehr Aufmerksamkeit zuwenden, da die Heimatfrage der Quellen davon zum Teil abhängt. §. 21. Wandelung der Gruppe and zu öd findet sich ausser.in den zwei von Gallee beigebrachten Beispielen auch noch in an fodiu c zu Fuss 5 M 556 = an fathie C, ags. an fede. Ferner setzt mnd. smdbde c weich, geschmeidig 3 = ags. smede ein alts. *smöthi aus *smanthi voraus (Holthausen, Soester Mundart 22), vgl. mhd. smant smandes 'Milchrahm'. § 22-27. Lehre vom Umlaut. Dazu habe ich folgendes zu bemerken. 1) Dass im Alts, der Umlaut auch vor rw eintritt, kann als ein besonderes Charakteristicum dieser Sprache gegenüber dem Althochd. angesehen werden. For-Brought to you by |
doi:10.1515/9783110242454.276 fatcat:chobry5kmfbezpbeg4gqwifrey