Die Uebertragbarkeit der Perlsucht durch die Nahrung

Rud Virchow
1880 Virchows Archiv  
Die Mlttheilungen des Hrn. Sere mer (S. 546) veranlassen reich, einige Bemerkungen hinzuzuf~igen~ welche meine Stellung zu der Frage yon der Uebcrtragbarkeit der Perlsuel)t etwas mehr prlicisiren sollen, als es dartn gesehehen ist. Wie ieh in meinem Vortr~ge in der hiesigen medieinisehen Gesellsehaft yore 10. M~irz d, J. (Berllner klinisehe Woehensehrift 1880. No. 14. Archly fiir wiss. u. praet. Thierheilkunde 1880. Bd. Vl. S. 352) ausdriieklieh ausgefiihrt hahe, Retrafen die yon mir
more » ... yon mir besproehenen Versuehe auf der hieslgen Thierarzneisehnle aussehliesslieh die Frage der Uebertragung der Perlsueht dureh die Nahrung, sei es dareh Fleiseh, sei es dutch Milch, sei es darer perlsiiehflge Neubildungen. Die Versuehe dagegen, welehe Hr. Semmer aus Dorpat beriehtet, hatten mit der Nahrung gar niehts zu thun. Sie besehr~inkten sieh darauf, wenigstens soweit sic yon ihm selbst als positive bezeiehnet werden, Milch nod Blot einer perlsfichtigen Kob, sei es unter die Haut, sei es in die Venen der Versuehsthiere zu bringen. Sic betrafen also eine ganz andere Frage. Denn es wird doer nieht im Ernst behauptet werden kiinnen, dass jede Snbstanz, welehe yon der Unterh~aut oder dem Blute ans eine hestimmte Wirknng ausiiRt, dteselhe Wirknng auch yore Magen aas oder umgekehrt hervorbringen mfisse. Ieh erinnere in dieser Beziehung nut an die Erfal)rungen mtt fauligen Substanzen. Niemand wird aus dem Umstand~ dass fauler K~ise als Nal)rungsmittel viel and ohne Sehaden genossen wird, ohne Weiteres sehliessen, dass man il)n ohne Sehaden unter die Haut oder in das Blat bringen k~inne. Eben so wenig wird Jemand voraussetzen, dass Sehlangengift tm Magen dlesell)e Wirkung ansiibe, als in elner Wunde. Wenn man also noel) die s~immtliehen Yersuel)e des Hrn. Semmer unbeanstandet l~isst~ so wfirde doeh aus ihnen noeh keineswegs folgen, dass Fleiseh oder Milch yon perls~iehtigen lifil)en, zumal Fleiseh, welches keine Perlknoten enthfilt, nnd Milch, welehe ans einem nleht perls(ichtig erkrankten Enter herstammt, "aus der Zahl der unsel)~idliehen Nahrungsmlttel zn streiel)en sei". Dies kann nor dutch Erniihrungsversuel)e entsehieden werden. Ich gehe dabei nieht so welt, als Hr. Semmer, dass ieh, am diese Frame wenigstens anniihernd aaeh fiir den Mensehen zu entseheiden, mit thin verlangen wiirde, man solle hffen in thren Heimathsliindern zu dem Versuehe wfihlen. Abgesehen davon, dass man auch dort die Versuehs-Affen einsperren~ also in ganz nene and wahrscl)einliel) hygieiniseh weniger gfinstige Yerl)filtnisse bringen miisste, so wiirde ich es fiir die Mensehen-Hygtetne fiir ausreiehend halten, wenn eonstatirt wiirde, dass fiberh~aapt etne Uebertragung tier Perlsucht yon Thier zu Thier dureh die l~'ahrung, namentlich dureh eine, nieht sell)st mit Perlknoten durehsetzte Nahrung erfolgt. Soviel Riicksieht sind wit uns selbst nod unseren Mttblirgern sehnldig~ dass wit in demselben hugenbliek, wo ein solcher Nachweis sieher {leliefert w/irde, ein Verbot des Fleisehes, der Milch
doi:10.1007/bf01929082 fatcat:pkpatxajynd4hlwtpdjqgsyc5m