FRAUENROLLEN UND POPMUSIK IN DER ARABISCHEN WELT: VON UNANTASTBAREN STARSÄNGERINNEN, Models IN UNTERWÄSCHE UND SELBSTBEWUSSTEN MUSIKERINNEN [chapter]

Thomas Burkhalter
Thema Nr. 1  
Schaut man heute arabisches Satellitenfernsehen, so scheint sowohl für arabische wie auch westliche Musikfreunde und Intellektuelle alles klar zu sein: Die arabische Welt befindet sich im Niedergang. Wo früher begnadete Sängerinnen wie Umm Kulthum und Fairuz auftraten, schwenken heute Tausende von Popsternchen ihre Hüften. Wo früher mehr oder weniger gehaltvolle ägyptische Filme gezeigt wurden, läuft heute bloß noch Schrott. Die Frauen-und Männerrollen scheinen klar verteilt. Die Männer dürfen
more » ... Die Männer dürfen Machos und Softies sein, die Frauen sind vor allem eines: Sexobjekte. K on t ext : Di e Ve r änd er ung en in d er a ra bi sc he n P opmu si k-Wel t Die arabische Medienwelt hat sich vor allem ab den 1990er Jahren radikal verändert. Bis dahin waren Ägypten und Libanon die Medienmetropolen der arabischen Welt, heute ist es Saudi-Arabien. 1994 startete der saudische Prinz und Geschäftsmann Al-Waleed bin Talal sein Unterhaltungsnetzwerk ART in Rom. ART setzte auf ein westlich gestyltes Unterhaltungsprogramm mit Hollywood-Filmen, US-amerikanischen Seifenopern und Talkshows. Andrew Hammond (2007) spricht von einem radikalen Wandel in der arabischen Welt: Der ägyptische Präsident »Abdel-Nasser wollte die Bevölkerung auf der Straße, die Saudis wollen die Bevölkerung auf dem Sofa«. Die Veränderungen waren riesig. Arabisten und Medienwissenschaftler (Hammond
doi:10.14361/transcript.9783839415719.189 fatcat:p7ipgjwgjbaylchpylznipa4um