Kriegsblindenfürsorge

W. Feilchenfeld
1916 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Augenarzt in Berlin-Charlottenburg. Die große Blindenstatistik für das Deutsche Reich, die vom Kaiserlichen Gesundheitsamt 1905 auf Grund der Volkszählung von 1900 herausgegeben wurde, zählte unter 34 334 Blinden 29 642 über 15 Jahre außerhalb und 1641 innerhalb von Blindenanstalten. Von den 29 642 im erwerbsfähigen Alter Stehendèn waren 23 240 ohne Beruf, und nur 6402, also 21,6 %, übten einen Beruf aus, während bei den Taubstummen fast 67 % einem Erwerbe nachgingen. Die Berufsstatistik ergibt
more » ... ufsstatistik ergibt zwar die Beschäftigung der früh Erblindeten wie der später blind Gewordenen in den 24 großen Berufsgruppen, die bei der Volkszählung zusammenfassend berücksichtigt wurden; aber über die genaue Beschäftigungsart kann daraus nichts erkannt werden. Die meisten Erwerbenden zeigt die Gruppe "Ho]z-und Schnitzstoffe": auf 1000 Blinde 215,1 männliche, 39,9 weibliche seit frühester Kindheit Blinde, 51,8 männliche, 5,6 weibliche später Erblindete, 89,0 männliche und 6,8 weibliche ohne Angabe der zeitlichen Entstehung des Gebrechens. In diese Gruppe fällt die gesamte Korb-, Matten-, Bürstenindustrie, Stuhlflechterei und Aehnliches, die bisher, wie bekannt, die wesentlichste Betätigungsweise der Blinden darstellten. Alle anderen Berufsarten spielen dieser Gruppe gegenüber eine untergeordnete Rolle. Wichtig ist dabei die Feststellung, daß von 100 erwerbsfähigen Blinden 60,3 selbständig im Beruf waren, während das bei 100 berufsfähigen Taubstummen nur für 14,1 gilt. Leider ergibt die Statistik nicht das Verhältnis der früh erblindeten zu den später blind gewordenen Selbständigen. Wir haben guten Grund anzunehmen, daß, abgesehen von den Stroh-und Bürstenbindern, haupt-
doi:10.1055/s-0028-1135056 fatcat:zz67srlddbbw7dre5jdwp5wvma