Dimensionen 2-2018: Magazin der FH Aachen University of Applied Sciences

FH Aachen, University Of Applied Sciences
2018
28 "WESTPARK story constructed": Studierende bauen skulpturales Möbel 30 Das "aero | race lab" bringt Experimente zur Luft-und Raumfahrt an die Schulen 32 Martin Stockberg schafft Kunstwerke im Sand 36 An der FH Aachen wird urbane Elektromobilität neu gedacht Der Primzahlwürfel Schwarz Weiß Bunt Die Champions League des Schweißens Auf der Suche nach dem goldenen Schnatz Bei ihm wird Science-Fiction zu Science-Fact 39 Kopfnuss 40 Die politische Kunst des FH-Absolventen Ralf Metzenmacher 44
more » ... tzenmacher 44 LaVa-X will das Laserstrahlschweißen im Vakuum etablieren 46 Stöcke statt Besen. Spielfeld statt Arena. In Jülich spielen Studierende Quidditch. 48 Volker Schmid erzählt von seiner Arbeit beim Deutschen Zentrum für Luft-und Raumfahrt (DLR) Die Ideenschmieden Forschung auf höchstem Niveau Der Dom und ich Sag "Ja" zum Studium Impressum 52 Junge Menschen aus aller Welt diskutieren bei den Summerschools über Zukunftsthemen 56 Dr. Jan Oberländer und Doktorand Dua Özsoylu stehen für das, was das Institut für Nano-und Biotechnologien auszeichnet 58 Dompublikation und LEGO-Throne zum Jubiläum 40 Jahre UNESCO-Weltkulturerbe 62 Der neue kooperative Bachelorstudiengang "Elektrotechnik mit Orientierungssemester" 63 Erweiterte Dimensionen 18-seitiges Special zum Thema Virtual Reality Dieses Mal machen wir was über Virtual Reality! Was vor ein paar Monaten in unserer Vorstellung so verheißungsvoll klang, war in der normalen Realität gar nicht so einfach umzusetzen. Keine Frage: Die Recherchearbeiten waren spannend. Wir wanderten in einem Schädel umher, standen auf einem Asteroiden und erforschten die Gänge eines Raumschiffs -und das alles, ohne die FH zu verlassen. Wir stellten aber auch schnell fest, dass es schwierig ist, über Virtual-Reality-Anwendungen zu berichten, ohne vorher verschiedene Fachbegriffe zu klären. Damit Sie aber nicht in jedem Text die immer gleichen Erklärungen lesen müssen, beginnt unser Titelthema dieses Mal mit einem Glossar. Und wenn Sie sich später fragen: "Was ist noch gleich 'Augmented Reality'?", dann werfen Sie einfach einen Blick auf die Seiten 8 und 9. Auf den nächsten Seiten erwartet sie ein Interview mit einer Professorin und zwei Professoren, die sich mit dem Thema auseinandersetzen (S. 10), Sie können lesen, wie die Technologie Virtual Reality in der Lehre eingesetzt (S. 14) und in der Forschung bearbeitet wird (S. 18). Am Ende des Titelthemas fragen wir uns, wie real die Illusion von Realität ist (S. 22). DIMENSIONEN 02/2018 7 Jeder von Ihnen arbeitet mit Forschungseinrichtungen und Unternehmen in den Bereichen Virtual Reality und Augmented Reality zusammen. Ehrlich gesagt können wir uns aber noch nicht so richtig vorstellen, wie man diese Technologien abseits der Computerspielindustrie sinnvoll nutzen kann ... Burbaum: In der Automobilbranche, aber auch in der Luftund Raumfahrttechnik ist es Usus, dass man jede Wartungsarbeit in der VR durchexerziert. Noch bevor ein Fahr-oder Flugzeug überhaupt real gebaut wird, weiß man, wie die Wartung funktioniert und wie hoch ihr Arbeitsaufwand ist. Auch in der Marktforschung gibt es den Wunsch, dass Kunden ein neues Auto in der VR testen, denn hier ist die Situation viel besser kontrollierbar. Man könnte eine Notbremsung herbeiführen, ohne dass es tatsächlich gefährlich wird. Scholl: In der Medizin gibt es viele Anwendungsmöglichkeiten. Gleich kommt ein Mediziner aus dem Klinikum zu mir und bringt die 3-D-digitalisierten MRT-und CT-Daten seines Patienten mit. Er schaut sie in der VR an, bevor er den Patienten morgen operiert. Kraft: Überall dort, wo es logistische Arbeitsprozesse gibt, können wir mit der augmentierten, also der erweiterten Realität arbeiten. Einer unser Masterstudent hat untersucht, ob der Alltag am Institut für Bio-und Geowissenschaften des Forschungszentrums Jülich durch eine AR-Brille unterstützt werden kann, zum Beispiel bei der Suche nach einer bestimmten Pflanze in einem der vielen Gewächshäuser. "Als Maschinenbauer war das für mich total kolossal! Davon hatte ich noch nie gehört" Prof. Dr. Bruno Burbaum über seine erste Begegnung mit einer sechsseitigen CAVE Vor ein paar Jahren hat das Thema VR einen Boom erlebt. Trotzdem hat sich die Technologie nicht so schnell etabliert wie damals gedacht. Wie kommt das? Burbaum: In der Industrie hat das einen ganz trivialen Grund: Es funktioniert ja auch so -irgendwie. VR-und AR-Anwendungen könnten Prozesse beschleunigen und vereinfachen, aber es fällt uns Menschen unglaublich schwer, eingespielte Abläufe zu verändern. Kraft: Ein anderes Problem sehe ich in der Digitalisierung der Daten und der Erstellung von 3-D-Modellen, die wir für AR-und VR-Anwendungen benötigen. Je nach Aufwand stimmt die Relation von Kosten und Nutzen irgendwann nicht mehr. Burbaum: Darüber hinaus kommen viele Sorgen: Was geschieht mit unseren Daten, wenn wir sie in der VR zur Verfügung stellen? Kann die Konkurrenz etwas kopieren? Mache ich meinen Job überflüssig, wenn ein Computerprogramm meine Arbeit beinahe übernehmen kann? Scholl: Eine weitere Hürde ist die Usability. Es gibt definitiv Forschungsbedarf, User-Interfaces zu designen, die intuitiv und einfach zu bedienen sind. Wir brauchen Standards in der Bedienung der Anwendungen, damit wir sie nicht von Applikation zu Applikation neu lernen müssen. Kraft: Die bisherigen Lösungen, um eine Anwendung zu bedienen, finde ich teilweise auch noch sehr gewöhnungsbedürftig. Wir sind mit Maus und Tastatur in unserem digitalisierten Arbeiten schon sehr effektiv. Wenn wir dem Nutzer neue Bedienmöglichkeiten bieten, die nicht so gut funktionieren, dann entsteht natürlich der Eindruck, dass das ganze System nicht gut funktioniert. Dann sinkt auch die Akzeptanz der Technologie wieder. Ich könnte mir vorstellen, dass wir in Zukunft mehr mit Sprachbefehlen arbeiten werden. Was könnte darüber hinaus dazu beitragen, dass VR-und AR-Anwendungen selbstverständlicher zum Einsatz kommen? Burbaum: Der Preis. Mittlerweile bekommen wir handliche VR-Systeme für unter 1000 Euro. Das hängt natürlich mit der Videospieleindustrie zusammen. Und die trägt maßgeblich dazu bei, dass die nächste Generation viel selbstverständlicher mit VR-Anwendungen umgeht. Deshalb bin ich mir sicher, dass VR und AR unsere Welt durchdringen werden, teilweise ohne dass man sich dessen bewusst ist. Kraft: Genau, eine solche Technik etabliert sich, wenn der Nutzer von der Anwendung eine unmittelbare Unterstützung erfährt, ohne großartig geschult werden zu müssen. Scholl: Sobald es außerdem einfacher wird, eigene VR-Applikationen zu entwickeln, wird die Technologie flächendeckender zum Einsatz kommen. Kraft: Das ist so ähnlich wie bei Websites -früher konnten die nur von Informatikern aufgesetzt werden, heute können auch Normalverbraucher ihre eigene Homepage einrichten.
doi:10.21269/8741 fatcat:funuisx5preqhp67fnfqwqbphq