(Re-)Konstruktion von Erfahrungsbereichen bei Übergängen von empirisch-gegenständlichen zu formal-abstrakten Auffassungen

Gero Stoffels, Universitätsbibliothek Siegen
2020
Die mathematikdidaktische Forschung bezüglich des Übergangs von der Schule zur Hochschule der Studierenden des Fachs Mathematik ist so facettenreich wie der Übergang selbst. Zwei besonders prominente Forschungsrichtungen fokussieren einerseits auf vermutete Wissenslücken sowie fehlende Kompetenzen in der Studieneingangsphase und andererseits auf Unterschiede zwischen Schulund Hochschulmathematik in Bezug auf deren Natur, Kultur oder verschiedene Arten mathematischer Praxis. Meine Forschung ist
more » ... er zweiten Forschungsrichtung zuzuweisen, insofern die Schwierigkeiten wie auch positiven Auswirkungen der Erfahrung des Übergangs der Studierenden, die sie im Rahmen eines Interventionsseminars mitteilen, sowie deren Reflexion, aus der Perspektive von Auffassungswechseln rekonstruiert werden. Diese Perspektive fußt auf der Unterscheidung einer empirischgegenständlichen und formal-abstrakten Auffassung von Mathematik, die auf theoretischer Ebene mit dem Konzept der "subjektiven Erfahrungsbereiche" (Bauersfeld, 1983) verknüpft wird. Die Adäquatheit dieser Unterscheidung wird dabei anhand historischer Fallstudien zu von Mises' (1931) "Wahrscheinlichkeitsrechnung und ihre Anwendung in der Statistik und theoretischen Physik" und Kolmogoroffs (1933) "Grundbegriffe der Wahrscheinlichkeitsrechnung" sowie einer qualitativen Inhaltsanalyse verschiedener Schul- und Hochschullehrbücher gezeigt. Die intensive Fallstudie von einem Studierenden zeigt einerseits, dass die Erfahrung von Auffassungswechseln, die Studierende während ihres Übergangs erleben, wesentlich für einen erfolgreichen Übergang von der Schule zur Hochschule ist und zugleich die Reflexion von Auffassungswechseln in der historischen Entwicklung der Mathematik ähnlich positiv wirken kann.
doi:10.25819/ubsi/5563 fatcat:64mgojgs65g2xpszbgz7ldqw2e