Werner Meyer, Ritterturniere im Mittelalter. Lanzenstechen, Prunkgewänder, Festgelage, Mainz: Nünnerich-Asmus 2017, 184 S., EUR 24,90 [ISBN 978‑3‑961760‑08‑4]

Hiram Kümper
2019 Militärgeschichtliche Zeitschrift  
Auf den ersten Blick möchte man diesen schön bebilderten, ansprechend produzierten und publikumswirksam betitelten Band für ein weiteres coffee-table book zu einem beliebten populären Mittelalter-Sujet halten. Doch wird man bei der Lektüre bald eines Besseren belehrt. Zwar kommt das Buch tatsächlich weitgehend jargonfrei und sehr gut auch für breitere, interessierte Publika zugänglich daher. Es mangelt ihm aber durchaus nicht an Substanz und es zeigt immer wieder auch neue Aspekte auf, die in
more » ... pekte auf, die in der ja durchaus breiten Literatur zum Gegenstand noch nicht zur Sprache gekommen sind. Der Verfasser des Bandes, Werner Meyer, ist pensionierter Ordinarius für mittelalterliche Geschichte und Archäologie in Basel und ausgewiesener Burgenkenner. Das merkt man auch dem Band an. Neben zahlreichen Text-und Bildquellen, die der Darstellung nicht nur Substanz im Sinne von Nachprüfbarkeit, sondern auch eine gewisse Lebendigkeit verleihen, versucht Meyer immer wieder auch die archäologischen Funde in seine Deutung einzubeziehen. Zwischen der in den Schriftquellen immer wieder kolportierten Verunglimpfung der Armbrust als unritterliche Waffe etwa und den »häufigen Funden von Pfeileisen auf Burgen, die nicht von Belagerungen stammen können« (S. 40), besteht eine bemerkenswerte Reibung, aus der Meyer letztlich »die große Bedeutung der Armbrust für die adlige Oberschicht« (ebd.) ableitet. Solche und ähnliche archäologischen (Be-)Funde erklärt er sehr nachvollziehbar, weist auf ihr Verhältnis zu den Schrift-und Bildquellen hin, und immer wieder auch auf ihre Bedeutung im Interpretationsgeflecht der Mittelalterforschung. Manchmal allerdings geht das zumindest dem Rezensenten, der für sich keine tiefergehende archäologische Expertise beanspruchen kann, etwas zu weit: Im Kapitel »Jenseitsvorstellungen und Ahnenverehrung im Turnierbrauchtum« MGZ,
doi:10.1515/mgzs-2019-0023 fatcat:7egg2pzwezetbajghzosf7fsau