Studien über Wechselbeziehungen zwischen Magen und Harnblase

Ladislaus Friedrich
1921 Zeitschrift für die gesamte experimentelle Medizin  
Wenn auch der Magen als im Mittelpunkt der ~ahrungsaufnahmc liegendes Organ weir mehr Korrelationszusammenhange aufweist wie die iibrigen --und deshalb selbstverst~ndlieh genaue Aufmerksamkeit seitens der wissensehaftliehen Forschung erfahren hat --, so sind doch Zusammenhi~nge da, 5velche bisher wenig Interesse fanden oder sogar ganz unbekannt waren. So steht es auch mit der Korrelation zwischen Magen und dem uropoetischen System resp. Harnblase. Der Magen als Anfangsretorte des
more » ... des Verdauungstraktus nimmt zuerst die in ihn gelangten Ingesta und Flfissigkeiten auf, und die Harnblase als letztes St.tick der Kette beherbergt die zu entleerenden K6rperschlacken. Wenn also der Magen aus irgendeinem Grunde die in ihn gelangende Fltissigkeitsmenge nicht durchlassen kann, ergeben sich dadurch auch Unterschiede in der Harnentleerung. Diese Art yon Funk-tionsstSrung, gekennzeichnet durch verminderte Harnmengen, intakte Nierent~tigkeit vorausgesetzt, wird ja zur Beurteilung der motorischen Insuffizienz des Magens auch vielfach angewandt und ist aueh geli~ufig. Von diesen ktaren Zusammenhi~ngen aber, die auf oben geschilderte Weise zustande kommen, soll hier nicht weiter gesprochen werden. Wenn wir noch auf die bekannten Magenst6rungen bei Nierenkranken, die sich in Form einer Subacidit~t oder Achylie --bei der Ur~mie gesteigert bis zu heftigem Erbrechen --hinweisen, so soll nur kurz die dyspeptische MagenstSrung der Prostatiker, gekennzeichnet durch Fleischekel, und die besonders yon Bourget 1) besehriebenen ZungenaffekLionen, erw~hnt werden. Mit diesem kurzen (Jberblick erschSpft sich die Kenntnis fiber die Zusammenarbeit und Zusammengeh6rigkeit dieser beiden Organkomplexe. Auf einen ganz anderen Zu.~ammenhang m6chte ich hier eingehen, auf den ich gelegentlich einer Magendurchleuchtung eines Pat., welcher L. v. Friodrich: Studi(m iil)er WeehselbezMmtlgen zwischen Ma~en u. Hartibiase. 53 einen groBen R e s t h a r n aufwies, a u f m e r k s a m g e w o r d e n bin. Die kurze K r a n k e n g e s e h i e h t e dieses Falles l a u t e t : J. v. W., 53 Jahre, seit 20 Jahren Blasenbesehwerden. Angeblieh naeh einem Pferdehufsehlag auf die Blasengegend aufgetreten. Zeitweise IIarndrang, ohne viel entleeren zu k6nnen; wieder zeitweise sehr viel Urin. Keine sonstigen Besehwerden. Nie lanzinierende Sehmerzen. Die objektive Untersuehung ergab niehts Pathologisehes am Nervensystem. W as s e r m a n n sehe Reaktion im Blur und Liquor stets negativ. Prostata nieht vergr5Bel% Friihmorgens ist die Blase drei Querfinger unter dem Nabel ffihlbar. Restharn von 1~/~ 1. Bei der Cystoskopie zeigt sich eine groge Blase mit verst/irkten, teils h~imorrhagisehen Trabekeln, sonst kein pathologischer Befund. Bei Aufftillung der Blase mit l0 proz. BromnatriumlSsung zeigt sieh eine sehr groBe runde Blase. Kein Divertikel oder sonstige Abweiehung yon der Norm. Aller Wahrseheinliehkeit naeh handelte es sieh in diesem Falle mn eine Detrusorsehwiiehe gleiehzeitig spastiseh gesteigertem Sphinetertonus. "7
doi:10.1007/bf02625719 fatcat:2pyvfhqczfdk5oy4s6hr2jyejm