Chlamydozoen-Befunde bei Schwimmbad-Conjunctivitis

1913 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Fall 1. Am 25. März 1909 stellte sich der Badewärter W. mit der Angabe vor, daß er seit acht Tagen eine starke Entzündung de linken Auges habe. Das Auge zeigte das Bild des "akuten Trachoins": Leichte Verdickung der Lider, Verkleinerung der Lidspalte, Triineiiträufeln, starke Schwellung der Conjunctiven, besonders der Ueergangsfalten, sehr starke Kornerbildung, am meisten auf der oberen Uebergangsfalte. Dabei verhältnismäßig geringe subjektive Beschwerden, mäßige Sekretion, keine Schwellung der
more » ... eine Schwellung der Praurikulardrüse, kein Pannus. Das rechte Auge war normal. Patient stammt nus Elbing und will bisher nicht augenkrank gewesen sein. -Es wurde die Diagnose "Trachorn" gestellt. Da der Patient Badewärter in einem öffentlichen Volks-Schwimmbad war, wurde dem Falle wegen der erhöhten Infektionsgefahrvon vornherein besondere Beachtung geschenkt. Fall 2. Am 7. April 1909 kani ein Kollege des vorigen Kranken, Badewärter in der gleichen Schwiinmanstalt G., mit der Angabe, daß er seit acht Tagen eine Entzündung dös linken Auges habe. Der Befund war mit dem vorigen völlig identisch. Patient ist in Berlin geboren. Fall 3. Am 5. Mai 1909 stellte sich der 14 Jahre alte H. Sch. aus Berlin vor, weil er seit 14 Tagen eine Entzündung beider Augen habe. Auch hier bestand beiderseits das klinische Bild des "akuten Trachoms", rechts etwas stärker. Außer den anderen Erscheinungen fanden sich auf der Conjunctiva bulbi oberhalb und unterhalb der Cornea mehrere Ectravasate. S. gab an, daß die Augen zwar morgens verklebt seien, doch sei die Absonderung gering. Er hat den ganzen Winter hindurch zweimal wöchentlich in der Badeanstalt G. geschwommen. Nach diesen schnell aufeinanderfolgenden Fällen war es kaum mehr zweifelhaft, daß es sich hier um eine beginnende Schwimmbad-Endemie handeln muilte, wie sie im Jahre 1899 von P. Schultz und von Fehr beobachtet und beschrieben worden war. Schultz hatte damals die Fälle als Trachom aufgefaßt, von dein sie im frischen Zustand nicht unterschieden werden können, und hatte daher, berechtigterweise, die Schließung der betreffenden Badeanstalt veranlaßt. Fehr dagegen kam auf Grund der Beobachtung, daß alle seine Fälle, wenn auch erst nach wochenlangei Behandlung, zur Heilung kamen, zu dem Schlusse, "daß die an Besuchern des Ostbades beobachtete Augenentzündung eine kontagiöse, klinisch wohl charakterisierte Conjunctivitis ist, die dem Trachom sehr ähnlich sieht-, deren Verlauf aber gezeigt hat, daß sie mit diesem nichts zu tun hat". Auf Grund dieser Auffassung von der relativen Harmlosigkeit der Erkrankung, und da es sich bisher doch nur um vereinzelte Fälle handelte, wurde ini Einvernehmen mit dem zuständigen Kreisarzt beschlossen, zunächst abzuwarten, oh noch weitere Fälle einlaufen würden. lia das Badowasser ini Schwimnibassin dei städtischen Volks-bäder täglich erneuert wird, wäre sonst kaum etwas anderes als die Schließung der Anstalt übrig geblieben. In der Tat schien die kleine Endemie erloschen, aber Fall 4. Am 11. September 1909 stellte sich der -l3jährige P. S. mit dem uns nun schon wohlbekannten Bild der "Schwimmbad-Conjunctivitis" beider Augen vor, nachdem er vor acht Tagen zum letzten Mal im Volksbad G. geschwommen hatte.
doi:10.1055/s-0028-1128005 fatcat:vw4ad7unqffhjndlxtvti32i2y