Dipterologische Beiträge [book]

H. Loew
1845 unpublished
University of Illinois Urbaijia-Champaign iittpV/www.arcflive.org/detaiis/dipteroiogischebOOioew VORWORT. Jedes tiefere Studium der Natur verlangt genaue Kenntniss der Arten. Artkenntniss, so wenig wissenschaftlichen Werth sie an und für sich hat, gewinnt doch hohe wissenschaftliche Bedeutung als der Boden, in dem allein der Baum einer tieferen Erkenntniss der organischen Natur festen Stand und kräftige Nahrung gewinnen kann. Darum darf seit lange alles, was zur Kenntniss der Arten erweiternd
more » ... er berichtigend, befestigend oder erleichternd beiträgt, darauf rechnen, von allen denen willkommen geheissen zu werden, denen ein tiefes und allseitiges Verständniss der lebendigen Natur als eine der würdigsten und belohnendsten Aufgaben des Menschengeistes erscheint. In der letzten Hälfte des vorigen und in dem verflossenen Theile dieses Jahrhunderts ist für die Kenntniss der lebenden und fossilen Arten unendlich viel mehr geschehen, als in allen früheren Jahrhunderten zusammen, freilich auf gar verschiedene und zuweilen, wie sich nicht läugnen lässt, mehr hindernde als fördernde Weise. Bei den widerstreitenden Ansichten über die Weise, in welcher zur Förderung der Artkenntniss am Besten beigetragen werde, lohnt es sich wohl der Mühe nach einem vermittelnden und vereinigenden Worte zu suchen. Linne, mit welchem der Morgen einer gesicherten Artkenntniss beginnt, und seine nächsten Nachfolger mit ihm stellten für jede Art eine möglichst kurze Diagnose auf, von der sie verlangten, dass dieselbe nur auf die gemeinte und auf keine einzige andere Art derselben Gattung passe; bei der Aufstellung neuer Arten trat dazu meist noch eine kurze Beschreibung, oft nicht mehr als eine etwas breitere Paraphrase der Diagnose. Dass die Aufstellung solcher möglichst kurzen Diagnosen eine glückhche Idee war, zeigte bald die Leichtigkeit in der Bestimmung der Arten; dass diese gar zu oft in Leichtfertigkeit ausartete, dass vielen noch unbeschriebenen Arten ein und derselbe Name beigelegt wurde, weil dieselbe Artdiagnose auf sie passte, dass so Irrthümer und Zweifel, selbst über eine gar grosse Anzahl Linne'scher Arten, entstanden, an deren Lösung viele, zu etwas Besserem bestimmte Kräfte verschwendet wurden und die zum grossen Theil noch heute ungelöst sind,an alledem waren viel seltener jene Diagnosen, viel seltener Nachlässigkeit der Bestimmenden und Weiterarbeitenden, als die entschiedene nnd grosse LTnzuläuglichkeit der ersten kurzen Beschreibungen Schuld. Viele erkannten gar bald, dass wegen der möglichen Entdeckung sehr ähnlicher noch unbekannter Arten, f)ei der Publikation einer neuen Art vor allen Dingen eine so genaue und ausführliche Beschreibung nöthig sei, dass eine Verwechselung von ganz nahe verwandten Arten, auf welche dieselbe Artdiagnose gedeutet werden könnte, mit der dadurch bezeichneten Art nicht weiter zu fürchten sei und stellten so durch Publikation genauer und ausführlicher Beschreibungen eine grosse Zahl von Arten für alle Zeiten fest. Ein so grosses und unleugbares Verdienst sie sich dadurch erwarben, fanden ihre Leistungen und ihr Verfahren doch Gegner, die gegen dasselbe besonders das geltend machten, dass die naturhistorische Literatur durch solche Beschreibungen zu einer endlosen Breite anzuwachsen drohe und die ihrerseits grösstenihcils durch eine Erweiterung der Diagnosen, die unter ihren Händen das Wesen dürftiger Beschreibungen annahmen und den eigentlich diagnostischen Charakter immer mehr verloren, zur Sicherung der Arten beizutragen suchten, üeber ihren doppelten Irrthum hat die Geschichte 1 der Naturwissenschaften gerichtet. Mau vergleiche den Umfang der Untersuchungen über Arten, die wegen mangehider ausführlicher Beschreibungen durch spätere Entdeckungen zweifelhaft geworden sind, selbst mit den breitesten Beschreibungen, die ihre Arten von vorn herein feststellten, immer wird mau noch die Kürze auf der Seite der letzteren Ündeu. Da das Prinzip des älteren berechtigten Namens, wenn Einheit in der naturwissenschaftlichen Nomeuklatur erhalten werden soll, nimmer aufgegeben werden kann, können auch jene Untersuchungen nicht umgangen werden und es stünde zu befürchten, dass sich das Studium der Arten nach und nach immer mehr in historisch-kritische Untersuchungen verlöre und von der Seite, der es einzig zugekehrt sein soll, immer mehr abwendete, wenn nicht jede neue Art gleich bei der Publikation mit ihrem Namen auch den ewig gültigen Taufschein einer ausführlichen und jeder Missdeutuug vorbeugenden Beschreibung mitbekäme. In tiefster Anerkennung derer, die durch genaue Artbeschreibungen feste Grundsteine zu einem sichern Weiterbaue der Wissenschaft gelegt haben, bekenne ich mich in dieser Beziehung unverholen zu ihrer Ansicht. -Aber auch durch die Erweiterung der Diagnosen und die Verwandlung derselben in mangelhafte Beschreibungen haben ihre Gegner fast nur geschadet : es sind so nicht nur Diagnosen, die trotz ihrer Länge auf viele Arten passen, gegeben worden, sondern eben ihre Länge selbst hebt ihren Hauptnutzen, das leichte und schnelle Zurechtfinden unter der Menge der Arten, auf. Sollen die Diagnosen ganz den grossen Nutzen bringen, welchen sie bringen können, so müssen sie in möglichster Kürze eiu Merkmal, was nur der bezeichneten Art und durchaus keiner andern Art derselben Gattung zukömmt, oder wenn sich ein solches nicht auffinden lassen will, eine Zusammenstellung einiger wenigen 3Ierkmale. die in dieser Vereinigung durchaus keiner anderen bekannten Art derselben Gattung zukommen, enthalfen. Eine beschreibende Bezeichnung der Art durch die Diagnose, so dass man sich nach dieser eine ungefähre Vorstellung von jener machen könnte, ist überflüssig; im Gegentheile sind meist die Diagnosen die schärfsten und sichersten, die sich an die Anwesenheit oder die Gestalt irgend eines einzelnen Theiles halten. Bei Aufstellung neuer Arten muss die neue Diagnose in dieser Weise unter Berücksichtigung aller bereits bekannten Arten entworfen werden, aber keineswegs einen blossen Auszug aus der Beschreibung bilden : die Diagnosen der früher bekannt gemachten Arten sind, sofern eine oder mehrere auf die neue Art passen sollten, iu Rücksicht auf diese abzuändern. Bei einem solchen Verfahren werden nicht nur die neuen Arten fester stehen, als sie bisher oft gestanden haben, sondern es wird auch die verwirrende und endlose Synonymie nicht mehr so anschwellen und endlich wird die Abfassung grösserer systematischer Werke, die sich auf die Mittheilung ausführlicher Beschreibungen nicht einlassen können, durch die Zusammenstellung der Diagnosen und Hinweisung auf die ersten, die Art sichernden Beschreibungen, wieder leichter möglich werden, als sie es bisher war. Da wo die Zahl der Arten am grössten ist, dürfte der Nutzen jenes Verfahrens, wenn es allgemein eingehalten würde, am schnellsten hervortreten, wie sich da auch die Ucbelstäude, welche jenes andere Verfahren herbeiführt, am fühlbarsten gemacht haben. In der Zoologie hat die Bearbeitung keiner Klasse mehr darunter gelitten, als die der immer mehr anschwellenden Klasse der Insekten, und hier scheint deshalb die Anwendung jener Grundsätze besonders noih zu thun. -Ich hoffe iu den nachfolgenden »dipterologischen Beiträgen«, die ich dem Wohlwollen des kundigen Lesers bestens empfehle, nicht gar zu weit davon abgewichen zu sein. Posen, den 10. Februar 1845. H, Etoew» AnopheteS. (Meigen) D -fie Gattung Anopheles unterscheidet sich im weiblichen Geschlechtc durch die ihr allein eigentbümlicheu langen Tasten sehr leicht von Culex. Dieser Unterschied tritt im männlichen Gcschlcchte nicht hers'or, so dass bei einzelneu Männchen in der Bestimmung der Gattung leicht ciu Irrthum begangen werden kann; man wird ihn iudess leicht vermeiden, wenn mau beachtet, dass 1) der Thorax bei Culex immer runder und gewölbter, bei Anopheles langgestreckter, flacher und vor dem Skutellum etwas eingedrückt ist; 2) die Beine und besonders die Füsse hti Anopheles länger und dünner als bei Ctdex sind. -Schon Linne kannte eine der hierher gehörigen Arten, Meigen fügte die zweite, Stäger die dritte unserer Fauna angehörige Art hinzu; ich werde unten eine vierte, sehr ausgezeichnete Art beschreiben. -Von exotischen Arten sind durch Thom. Say drei, durch Wiedemann eine vierte amerikanische bekannt gemacht worden, die zum Theil von den Arten der europäischen Fauna im gesammteu Körperbaue merklich genug abweichen ; näher schliessen sich unseren Arten eine sinesische, durch Wiedemann publizirte und eine Art vom Senegal, welche Macquart in den Suites a Bvffon beschrieben hat, an. Die drei bereits beschriebenen europäischen Arten sind nicht schwer zu unterscheiden; ich habe zu ihrer näheren Kenntniss nichts beizutragen ; doch finde ich es uöthig für alle drei die Diagnosen abzuändern, und zwar die von lifurcatus wegen der Verwandtschaft mit nigripes, die von nigripes, weil mir Formmerkmale den Vorzug vor blossen Färbungsmerkmalen zu verdienen scheinen, die von maculipennis wegen seiner Verwandtschaft mit pictus. Sp. l. An. lifurcatus; alis immaculatis; palporum articulus penvltimus praecedenti longior. -Long. corp. 2\ Un.
doi:10.5962/bhl.title.48649 fatcat:xduraegs3zcbvbsfhrefyrw5ye