Frühdiagnose und Therapie des Ulcus duodeni. (Schluß aus Nr. 16)

Felix Mendel
1920 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
in Essen. (Schluß aus Nr. 16). Welcher Ait d j e j n t e r n e T h e r a p j e auch sei, die wir be Duodenalgeschwùr anwenden, sie entspricht im grollen und ganzeii den (irundsätzen, welche wir bei der Behandlung des Magengeschwurs befolgen. Nur muß die Kur gerade bei I)uodenalulkus viel länger fortgesetzt werden, auch wenn alle Symptofne der Erkrankung geschwunden sind. Denn gerade die Penod j z j t ä t der Erscheinungen, die für Ulcus duodeni charakteristisch ist und sich über Jahrzehnte hin
more » ... ber Jahrzehnte hin ausdehnen kann, beweist uns wie lange und wie oft das Leiden latent verlaufen, das heißt klinisch anscheinend geheilt, aber anatomisch noch vorhanden sein kann; oder dalI es, wenn wirklich Heilung eingetretetl ist, infolge der Ulkusbereitschaft des Patienten rezidivient. Mugen die Oründe dafür örtlicher oder konstitutioneller Natur sein, eine Tatsache ist unbestreitbar: Je früher die Diagnose, um so schneller und sicherer die Heilung. Eine der wichtigsten Forderungen der Kur, auf die unter keinen Umständen auch in lekhtesten Ffillen verzichtet werden darf, ist dic absolute Bettruhe, dabei feuchte heiße Umschläge so andauernd und so intensiv wie möglich. Ich benutze bei dem augenblicklichen Mangel an Brei oder Gummibehältern die sogenannte K a r isba der Flasche, ein gebogenes, flaches Gefäß aus Metan, das, mit heißem Wasser gefüllt, auf einen leuchten Umschlag gelegt und mit einem Flanelltuci bedeckt, lange Zeit die. Wärme zurückhält. Nachts Priel3nitzunischläge. Diät: Zunächst n u r Mile h oder, wo diese fehlt, als Getränk Pfefferminztee, Schleimsuppen mit reichlich Butter, aher ohne Salz, weich gekochte Eier. Sobald die spontanen Schmerzen nachgelassen, die Schmerzzone (nachgewiesen durch direkte Perkussion) sich verkleinert hat: Keks, Zwieback, durchgeschlagene Kartoffelsuppe, Kartoffelbrei mit reichlich Butter. Bei einem frischen frühdiagnostizierten Geschwür wird dieses zweite Stadium viel se h n e lier eintreten als bei einem chronisch-indunierten oder gar penetnierten Ulkus. Die radiäre Verkleinerung der Schmerzzone, die bei einem frischen Ulkus oft schon wenige Tage nach Beginn der Kur zu konstatieren ist, darf natürlich nicht auf eine Heilung der Geschwürsflac h e zurückgeführt werden, die so schnell nicht erfolgen kann und a priori auszuschließen ist. Wir müssen ielmehr diese Verkleinerung auf den Rückgang der neaktiven Entzündung zurückführen, welche beson'ders das frische Ulkus umgibt und sich auch im mikroskopischen Praparat als eine mehr oder minder beträchtliche kleinzellige Infiltration der Interstitien erkennen läßt. Von da ab ändert sich selbst bei einem frischen Ulkus auc während einer wirksamen Kur, die Schmerzzone nur ganz allmählich, aber sie wird stetig kleiner, urn je nach den Intensitat der Erkrankung und der Größe und Tiefe des Geschwürs und seinem sonstigen anatomischen Charakter a llmä h lic h ganz zu verse liw in den. Dann hat sich entweder auf dem Grunde des Geschwurs ein gesundes Granulationsgewebe gebildet, das sich in Bindegewebe umwandelt und durch Narbenbildung zur Heilung, aber audi zur Stenose führt, oder aber, wie es nur bei frühdiagnostizierten frischen und oberflächlichen Geschwüren möglich ist es ist eine Ueberhäutung des Defekts eingetreten, die ini Gegensatz zum Ulcus ventriculi makroskopisch nicht einmal eine Narbe zu hinterlassen braucht. In jedem Falle wird die Perkussion des Epigastriurns die dauernd den Kurerfolg kontrolliert, nun keinen schmerzhaften Reiz mehr ausüben, und es ist für unsere Therapie der Zeitpunkt eingetreten, wo wir ungestraft unsere Kostordnung erweitern durf en. Das Verschwinden des spontanen Schmerzes allein beweist noch lange nicht die Heilung eines Ulkus. Ein Ulkus kann bluten und perforieren im Schmerzintervall. Es kann ganz unverändert weiterbestehen in der Schmerziieriode und außerhalb der Schmerzperiode (y. Bergmann) '). IDas ist aber der große 458 DEUTSCHE MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT Nr. 17 Dieses Dokument wurde zum persönlichen Gebrauch heruntergeladen. Vervielfältigung nur mit Zustimmung des Verlages.
doi:10.1055/s-0029-1192606 fatcat:gem7dp5ucfa6tgfb62wujgxmpu