Gerd Antos. 2021. Rhetorik der Selbstverzauberung. Einblicke in Luft- und Lustschlösser unserer Selbstmanipulation. Berlin: Frank & Timme. 349 S

Manfred Kienpointner
2022 Zeitschrift für Rezensionen zur Germanistischen Sprachwissenschaft  
Das Thema dieses Buches ist zweifellos ein in seiner Wichtigkeit kaum überschätzbares Phänomen, nämlich die "Selbstverzauberung", also alle mehr oder weniger seriösen Versuche, sich selbst von etwas zu überzeugen oder zu überreden, was nicht selten auf Selbstmanipulation hinausläuft. Dies wiederum ist, so Antos, untrennbar mit der "Verzauberung" bzw. Manipulation von anderen verknüpft, da Überzeugtheit von sich selbst mit Glaubwürdigkeit (dem Ethos von Redner*innen) eng zusammenhängt (S. 27,
more » ... . Als nähere Charakterisierung von "Selbstverzauberung" wählt der Verfasser im einleitenden Kapitel den Begriff "Syndrom", also eine Kombination von verschiedenen Erscheinungsformen eines Objekts. Detaillierter definiert Antos das Syndrom "Selbstverzauberung" wie folgt (S. 35): "Selbstverzauberung ist eine Zuschreibung. Das heißt, wir schreiben jemandem (im Extremfall sogar uns selber) etwas zu, beispielsweise, was uns beim digitalen Surfen, beim Missionieren oder beim Zocken verzaubert oder warum Glücksspiel, Wissenschaft oder Arbeit (Workaholismus) so süchtig macht. Dabei geht es um die selbstinduktive und selbstbezügliche Erzeugung von positiven Gefühlen, Attitüden oder Verhaltensweisen." ZRS 2022; aop Open Access. © 2022 Manfred Kienpointner, publiziert von De Gruyter. Dieses Werk ist lizenziert unter der Creative Commons Attribution 4.0 Lizenz.
doi:10.1515/zrs-2022-2097 fatcat:mpkqy2yi5bgffnv5knx73ipvsi