Leslie Lamport gewinnt Turing-Preis 2014

Andreas Loos
2014 Mitteilungen der DMV  
In der Mathematik kennt man ihn vor allem wegen des L A vor dem T E X: Leslie Lamport ist der Erfinder von L A T E X. Mitte der 1980er Jahre veröffentlichte er das Makropaket, das Donald E. Knuths T E X erst alltagstauglich machte. Nun hat Leslie Lamport, 73 Jahre alt, den Turing-Preis der Association for Computing Machinery (ACM) erhalten, den wichtigsten Preis in der Informatik -allerdings nicht für L A T E X, sondern für seine fast 200 anderen Arbeiten, teils sehr tiefgründige Ergebnisse aus
more » ... dige Ergebnisse aus der theoretischen Informatik. (Auf seiner Webseite hat Lamport eine wunderschön kommentierte Bibliografie zusammengestellt.) Seit mehreren Jahrzehnten befasst sich Leslie Lamport nämlich vor allem mit dem verteilten Rechnen, sogenannten Distributed Systems: Auf mehreren Prozessoren, die untereinander kommunizieren können, werden Rechnungen durchgeführt, ohne dass ein übergeordneter Prozessor die Arbeiten überwacht und koordiniert. Lamports Ziel ist es, verteilte Systeme und die Algorithmen, die auf ihnen laufen, so zu konstruieren und zu organisieren, dass sich in dem anscheinend chaotischen Durcheinander von selbst eine klare und wohldefinierte Ordnung aufbaut. Dazu entwickelte er unter anderem die Temporale Logik, in der eine Zeitabhängigkeit in Aussagen eingebaut werden kann, weiter zu einer "Temporalen Logik der Aktionen". Damit lassen sich gleichzeitig laufende Algorithmen analysieren. Um dem Durcheinander in verteilten Systemen entgegenzuwirken, hat er bereits in den 1970er Jahren unter anderem die sogenannten Lamport Timestamps entwickelt. Mit Hilfe von "logischen Uhren" -im Prinzip Zählern, die in jedem Prozessor laufen, und immer weiter-geschaltet werden, wenn Botschaften ein-oder ausgehen -werden Zeitmarken erstellt, mit denen die Botschaften markiert werden, die die Prozessoren untereinander austauschen. So lässt sich hinterher rekonstruieren, wer wann was errechnet hat, und man kann die Einzelergebnisse zu einem konsistenten Gesamtergebnis zusammenbauen. Die Arbeit Time, Clocks, and the Ordering of Events in a Distributed System von 1978 wurde zu einer der meist zitierten Arbeiten der Informatik. Lamport hat auch die Sicherheit in verteilten Systemen erforscht und dafür sogenannte Einmalschlüssel entwickelt, Passwörter, die zum Beispiel aus einem Zeitstempel, der Lösung einer Aufgabe oder aus älteren Schlüsseln generiert werden und die nach einmaliger Verwendung ungültig werden.
doi:10.1515/dmvm-2014-0033 fatcat:fdgjbji63vgvtj3h75ypywtzsa