Zum Nachweis der Syphilis durch Ausflockungsreaktionen

E. Meinicke
1920 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Bei allen Luesreaktionen, die mit dem Indikator der Olobulinfállung arbeiten, hängt der Eintritt der sichtbaren Flockung von einer Reihe von Umständen ab, auf die ich zum Teil schon in früheren Veröffentlichungen hingewiesen habe. Grundbedingung für alle derartigen Methoden ¡st naturgemäß ein brauchbarer Organextrakt ') und die Herstellung geeigneter Extraktverdünnungen. W e s e n t I i e h sind ferner die quantitativen Beziehungen zwischen Serum u n d E x t r a k t. Man muß in Reihenversuchen
more » ... in Reihenversuchen die für die Reaktion optimalen quantitativen Bedingungen herausarbeiten und sie für die Methode empfehlen. So sind die technischen Vorschriften für die zweizeitige MR. und die einzeitige DM. (dritte Modifikation) 2) entstanden und haben sich in der Praxis bewährt. Bei der Ausarbeitung der Technik ist aber zunachst außerachtgelassen worden, d a ß z w a r d I e überwiegende Mehrzahl aller Sera, aber eben doch nicht alle Sera ohne Ausnahme, die besten Flockungsbedingungen unter den gleichen quantitativen Verhältnissen haben, sondern daß sich individuelle Unterschiede zeigen, die den Ausfall der Reaktionen beelnilussen können. Schon bei meinen ersten Versuchen, eine Alkoholfällungsreaktion im Sinne der Bruckschen Salpctersäureprobe auszuarbeiten, war mir aufgefallen, daß eine Reihe von Seren am besten ausgeflockt wird, wenn man große Mengen einer bestimmten Alkoholverdünnung nimmt, andere dagegen wieder besser, wenn man mit kleinen Dosen arbeitet. Dieselbe Erfahrung machte ich bei der Ausfällung von Globulinen durch verdünnte Organextrakte in der ersten Phase der M. R. Am anderer Stelle 3) wies ich darauf hin, daß 1m allgemeinen aktive Sera besser ausflocken, wenn man von einer bestimmten Extraktverdünnung groß e Dosen nimmt, ma ktiv lerte Sera dagegen besser, wenn man relativ kleine Extraktmengen verwendet. Ein Serum, von dem im aktiven Zustande 0,2 ccm durch 1,5 ccm verdünnten Extrakts optimal ausgeflockt werden, wird nach dem Inaktivieren durch die gleiche Menge vielfach nicht mehr oder doch wesentlich schwächer geflockt, während es dann durch kleine Mengen. wie z. B. 0,8 cern Extrakt, optimal ausgefällt wird. Die Mehrzahl aller Sera reagiert in dieser Weise. Aber es gibt auch Ausnahmen. Man beobachtet auch inaktive Sera, die besser mit relativ großen Dosen Extrakt ausgefällt werden als mit kleinen. Für derartige Sera sind also die zur Anstellung der M.R. vorgeschriebenen Versuchsbedingungen von 0,2ccm Serum und 0,8 cern Extrakt nicht optimal. Für die dritte Modifikation meiner Luesreaktion gelten die gleichen Verhältnisse, und ich möchte annehmen, daß sie überhaupt für alle Luesreaktionen, die mit Ausflockung der Globuline arbeiten, Geltung beanspruchen dürfe n. Denn wir haben es hier offenbar mit individuellen \?erschiedenheiten in der Ausflockbarkeit der einzelnen Sera zu tun, die sich in jeder beliebigen Flockungsmethode zeigen werden und der Erwartung gemäß zeigen müssen. Diese individuellen Differenzen in der Fällbarkeit der Sera bilden eine Fehlerquelle für alle Reaktionen, die mit nur e in e r dem Durchschnittsoptimum entsprechenden Extraktdosis arbeiten. Setzt man mit der D. M. Vergleichsversuche in der Weise an, daß man zu 0,2 cern inaktivierten positiven Serums steigende Mengen der Extraktverdfinnung gibt --von 0,2 cern bis 2,0 cern -, so erhält man drei Flockungstypen, die sich mehr oder weniger scharf voneinander trennen lassen. Erster Typ: Es tritt in allen Röhrchen von 0,2 cern Extrakt an bis hinauf zu 2.0 cern Ausfililung ein. Unter 0,4 cern Extrakt wird die Flockung manchmal etwas schwächer, über 1,5 cern hinaus macht sich ebenfalls mehrfach eine Behinderung der Flockung geltend. In der Breite von 0,4 cern Extrakt his 1,5 cern ist die Ausfällung aber in allen Röhrchen gleichmäßig stark. In dieser Weise reagiert die überwiegende Mehrzahl aller positiven Sera. Der Ausfall der Reaktion ist also hei diesem ersten Typ in hohem Grade unabhängig von den gewählten Extraktmengen. Zweiter Typ: Er ist dadurch ausgezeichnet, daß die Behinderung der Flockung durch relativ große Extraktmengen schon früh und sta'rk einsetzt. Derartige Sera flocken noch bei 0,8 cern Extrakt tadellos aus, bei 1.0 cern schon wesentlich schwächer und bei 1,5 cern gar nicht mehr. In eihem Falle konnte ich sogar ein Serum heohachten, das sein Optimum bei 0,2 cern Extrakt hatte, bei 0,6 cern schon kaum noch ausgeflockt 'roebra"chsfertiee, von mir selbst zeprilfte Pferdeherzexirakte für meine Lijesreaktionen sind von der Adler-Anotheke in Hagen i/W, Fiberleider Str. zu beziehen Auch die Firma Paul Aitmann, Berlin, huit neuerdings meine Fatrakte vorritig -) M m W 1919 Nr. 33. -. '3 Lschr.f. Immun. Forsch. 28, 11. V5. l.Januar 1g20 DEUTSCHE MEDIZINISCHE WOC1-IENSCHRIFT 13 Dieses Dokument wurde zum persönlichen Gebrauch heruntergeladen. Vervielfältigung nur mit Zustimmung des Verlages.
doi:10.1055/s-0029-1192370 fatcat:pvsa7itg2fbafgbsxhleg2s6ey