Die Stellung der Neurosen zueinander und zu den Psychosen

Harald Siebert
1921 Journal of Neurology  
Die Trennung der Neurosen und Psychosen voneinander im klinisehen Sinne ist vielfach nut dutch quantitative Unterschiede bedingt, so welt man eben einzelne kranldaafte Sympt0me in ihrer Bedeu~ung und ihrem biologischen Geschehen richtig zu deuten imstande ist, undes kann wiederum oft eine quaIitativ uniiberbriickbare Kluft zwisehen diesen beiden Affektionen des Nervensystems liegen. Die bestehenden weitgehenden Beriih~ungspunkte einzelner StSrungen in ihren i~u~eren ProjekCionsformen bedingen,
more » ... nsformen bedingen, da$ man durchaus mit den engen verwandtschaf~lichen Faktoren reehnen mul~. Was ,Sein" and was ,Schein" is~ l~I~t sich nach unserem heutigen Stande Wissens nicht immer exakt bestimmen, ja vie]fach sind dies Probleme, bei welehen der tappendste Versuch der Forschung naeh Ursaehen schon ins Uferlose ffihrt. Und doeh benStigt die Klinik der Begriffe einzetner Unterformen der Neurosen und Psychosen; wir bediirfen ihrer der gegegenseitigen Verst~indigung halber, wit brauehen mehr oder weniger umschriebene Komplexe aus prognostischen nnd therapeutischen Griinden, ganztabgesehen yon dem rein wissenschaftliehen Standpunkr des Strebens nach Efforschung des Werdens und Seins nosologischer Einheiten. roll entwickelte Krankheitsbilder geben nun re]ativ selten Grund dazu, fiber die VielgeStaltigkeit und Sprunghaftigkeit einzelner Formen nachzudenken, hingegen sind die Anfangsstadien und die atypischen bzw. Grenzfiille einzelner Neurosen und Psychosen gerade sehr danach angetan, den Untersueher irre zu ftihren oder zu einer beobachtenden Zuriickhaltung zu zwingen, eheer mit einer richtigen Urteilsfiillung zutage tritt. Die progressive Paralyse ist eine organische Gehirnkrankheit mit bekanntem anatomischem Bride, mit weitgehenden
doi:10.1007/bf01652528 fatcat:kdd67faby5e7hbjj5vimp3cf7i