Zur Katgutfrage

Paul Wolff
1913 Deutsche Zeitschrift für Chirurgie  
Die Frage einer zuverl/issigen Katgutsterilisation ist ffir die Chirurgie yon gr613ter Wichtigkeit. Dal3 ihre L6sung nicht einfach ist, beweist die g-roBe Anzahl yon Methoden, die in mehr oder minder ausfiihrlichen Arbeiten beschrieben und gepriift sind. K uhn-Kassel (9) hat nun vor einigen Jahren die ganze Katguffrage wieder ins Rollen gebracht. In zahlreichen, zum Tell sehr ausftihrlichen Ver6ffentlichungen hat er seine Forderungen betreffs der Katgutsterilisation aufgestellt und
more » ... betont, dab eine wirksame und sichere Sterilisierung des Katguts bereits vor seiner Verarbeitung, am Rohdarm, einsetzen mfisse, da mit keinem der vorhandenen Sterilisationsverfahren der fertige, gedrehte und getrocknete Faden mit Sicherheit keimfrei zu machen sei. Seine sonstigen Forderun~en, dab das Katgut steril yore Schlachttier zu entnehmen und nach streng chirur-g~schen Grunds/itzen zu behandeln sei, ist bei einem tierischen Darm und dem auch nach K uhns Angaben recht komplizierten Sterilisationsverfahren sicher nut cure grano salis aufzufassen. K uhn verlangt in Verfolgung seiner Forderungen sogar eine staatliche Aufsicht fiber die Katgutfabriken, um mit Sicherheir steriles Arbeiten bei der Entnahme und Verarbeitung des Rohdarms verbfirgen zu k6nnen. DaB jede Anregung in dieser Frage, zumal wenn sie etwas grunds/itzlich Wichtiges bringt, mit Freuden zu begriil3en ist, bedarf wohl keiner Erw/ihnung. Fraglich ist nut, ob tats/ichlich diese strengen Forderungen, die zweifellos eine betr/ichtliche Verteuerung des Katguts mit sich bringen mfissen, auch wirklich begrfindet sind, d. h. ob es nicht gelingt, einen fertigen Katgutfaden mit Sicherheit zu sterilisieren, auch wenn die Sterilisation nicht schon am ungedrehten Darm einsetzt.
doi:10.1007/bf02798523 fatcat:qwur343uybajrkrwojrlppvowy