Claudicatio intermittens bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit: Teil 2

Aljoscha Rastan, Jrn Dopheide, Iris Baumgartner
2020 Swiss Medical Forum = Forum Médical Suisse  
Bei der Claudicatio intermittens muss die Indikation zur interventionellen oder chirurgischen Therapie deutlich strenger gestellt werden als bei Patienten mit kritischer Extremitätenischämie (Amputationsgefahr), da bei Patienten mit Claudicatio intermittens «lediglich» eine Verbesserung der Lebensqualität erreicht werden soll. Basis einer erfolgreichen interventionellen Therapie ist die Kenntnis klassischer und moderner Behandlungsverfahren und die Beherrschung unterschiedlicher
more » ... her Rekanalisationstechniken sowie eine grosse Expertise im Komplikationsmanagement. Dem folgend sollte eine ausreichende Auswahl an Material wie Ballonkathetern (einschliesslich medikamentenbeschichteter Ballons), Stents (einschliesslich nitinol-und medikamentenbeschichteter Stents) und Endoprothesen sowie Thrombektomie-und Atherektomiesystemen zur Verfügung stehen, um je nach Läsionsmorphologie die optimale Therapiemassnahme anbieten zu können. Die Möglichkeit einer CO2-gestützten Intervention bei Patienten mit Niereninsuffizienz als Alternative zur intraarteriellen Angiographie mit Kontrastmittel sollte gegeben sein. Die interventionelle und offene gefässchirurgische Therapie sind sich ergänzende Behandlungsstrategien. Idealerweise werden Patienten in gefässmedizinischen Zentren und im interdisziplinären Konsens einer der Therapieoptionen zugeführt. Die meisten Zentren können hierbei auch auf sogenannte «Hybrideingriffe» als Kombination von operativen und interventionellen Massnahmen zurückgreifen. Bei Patienten mit Beckenarterienläsionen sind die Ergebnisse der konservativ-medikamentösen Therapie und eines Gehtrainings oft überschaubar. In den meisten Fällen kann hier eine perkutane, interventionelle Behandlung angeboten werden. Dabei liegen die 1-Jahres-Offenheitsraten nach interventioneller Behandlung von Beckenarterien (Stentimplantation) bei 85-90%. Erste Studienergebnisse belegen, dass mit der Implantation von Endoprothesen die guten Ergebnisse der Stents nochmals verbessert werden können. Allerdings müssen die Ergebnisse noch laufender Studien abgewartet werden, bevor hier eine klare Therapieindikation abgeleitet werden kann [1-4]. Bei langstreckigen uni-oder bilateralen Verschlussprozessen weisen gefässchirurgische Rekonstruktionen, bei entsprechend höherem perioperativen Risiko, langfristig die besseren Offenheitsraten im Vergleich zur interventionellen Behandlung auf [5, 6]. Wie auch immer, diese Patienten sollten nach Abwägung der Vor-und Nachteile der unterschiedlichen Therapiemöglichkeiten im gefässmedizinischen Konsens und unter Berücksichtigung des Patientenwunschs behandelt werden. Der Goldstandard der Arteria-femoralis-communis-(AFC-)Behandlung bleibt vorerst die Thrombendarteriektomie (TEA), wobei erste Studienergebnisse die vermeintlich klare Überlegenheit der chirurgischen Sanierung zur interventionellen Therapie zumindest als diskussionswürdig erscheinen lassen [7, 8]. Es gibt Zentren, die bei bestimmten Läsionscharakteristika Aljoscha Rastan In Fortsetzung des ersten Teils 1 dieser Übersicht, die die Prävalenz, die Klinik, die Möglichkeiten der Diagnostik und der konservativ-medikamentösen Therapie zum Inhalt hatte, fokussiert der vorliegende zweite Teil auf die invasiven therapeutischen Optionen und die Prävention bei Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit mit Claudicatio intermittens.
doi:10.4414/fms.2020.08606 fatcat:eppa6hywt5g5ddlnnbca6mcqdm