Die Internationalisierung der föderalistischen Bildungspolitik

Fritz Osterwalder, Karl Weber
2004
Es wird danach gefragt, wie sich Akteure, Konstellationen der schweizerischen Bildungspolitik und ihre Programmatik auf die Internationalisierung der Bildungspolitik einstellen. Dabei wird davon ausgegangen, dass sich sowohl zentralisierende wie auch auf Differenz orientierte Akteure der Bildungspolitik an internationalen Projekten beteiligen. Ausgangspunkt der Untersuchung ist dabei die Entwicklung des historischen Gegensatzes zwischen vertikal-koordinierender, stärker vereinheitlichender und
more » ... orizontal-koordinierender, auf Erhaltung der Differenz ausgerichteter Politik. Während in den meisten politischen Feldern historisch im allgemeinen die zweite Ausrichtung eindeutig dominant war, hat sich in der Bildungspolitik konkurrenziell dazu auch die erste entwickelt. In der Expansionsphase des Bildungssystems in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird das bildungspolitische Feld zunehmend differenziert. Neue Akteure treten auf und traditionelle Akteure versehen sich mit wissenschaftsorientierten Stäben. Dabei erschöpften sich beide historischen Orientierungen zusehends programmatisch. Das stärkere Auftreten internationaler Akteure, OECD, EU, das Hervortreten internationaler Foren, Konstellationen und Strategien wird sowohl für historisch dezentral, auf Differenz wie auch für historisch auf Vereinheitlichung orientierte Akteure zur gemeinsamen Referenz. Es wäre übertrieben zu behaupten, die Ergebnisse der PISA-Studie («Programme for International Student Assessment») hätten die schweizerische Bildungspolitik in ihren Grundfesten und ihrem Selbstverständnis verunsichert oder gar erschüttert, obwohl die Resultate dazu durchaus einen Anlass hätten abgeben können. 1 Überraschend ist eher, mit welcher Unaufgeregtheit in der Schweiz die bildungspolitisch Verantwortlichen wie die kommentierende Öffentlichkeit die eher dürftigen Resultate wahrgenommen und kommentiert haben (Zeitschrift für Bildungswissenschaften, 2003/1, Hagenbüchle, 2002). Überraschend ist die nüchterne Reaktion deswegen, weil in der bildungspolitischen Auseinandersetzung bislang Vielfalt, Dezentralisierung, kantonale Autonomie und Selbstbeurteilung immer, wenn auch mit wechselnden Akzenten, als höchste Priorität be-T h e m a Revue suisse des sciences de l'éducation, 26 (1) 2004, 11-32 11 ISSN 1424-3946, Academic Press Fribourg 12 Schweizerische Zeitschrift für Bildungswissenschaften 26 (1) 2004 T h e m a
doi:10.24452/sjer.26.1.4668 fatcat:m3jz7mx5hjcpzbzamlc6vkhzyy