Lifestyle versus Lebenskunst

Gudrun Breuer
2020 unpublished
Rituals Cosmetics, ein niederländisches Unternehmen, das im Jahr 2000 von Raymond Cloosterman gegründet wurde, stellt eine Palette an Produkten für "home and body" vor, die auf fernöstliche religiöse beziehungsweise spirituelle Traditionen verweisen. Es gelte, so die Philosophie der Marke, die Aufmerksamkeit des Menschen, der sein Leben innerhalb eines beschleunigten fordernden Alltags lebt, in achtsamer Weise auf die kleinen Momente zu richten und diese bewusst zu gestalten. Rituals Cosmetics
more » ... Rituals Cosmetics spezialisiert sich damit auf den Wellness-Moment zuhause, der in die Struktur des Alltags implementiert wird und mittels Home-Spa Produkten individuell gestaltet werden kann – Ziel und Motto: Die Verwandlung alltäglicher Routinen der Körper- pflege in "meaningful rituals". Rituals Cosmetics bewirbt ritualisierte Selbstfürsorge, determiniert durch den Kontext der Vermarktung, vor dem Hintergrund der Selbstoptimierung. Als Wertevehikel einer beschleunigten Welt trägt dieses Konzept jedoch zu Problemen, als dessen Lösung es sich gleichzeitig bewirbt, bei und akzeleriert diese: Hier zeigt sich das POTENTIAL vermarkteter Selbstfürsorge als KATALYSATOR in einer beschleunigten Welt, an dessen Ende – wird sie vom Individuum in dieser Form übernommen – ein systemimmanenter Lifestyle "made by Rituals" steht. Ist ritualisierte Selbstfürsorge in einer beschleunigten Welt also nicht mehr als Trojanisches Pferd und Katalysator? Vor dem Hintergrund Hartmut Rosas "Soziologie des guten Lebens" erfolgt demnach einerseits auf Basis des im close reading erschlossenen Materials eine ideologiekritische Analyse der Marke Rituals. Andererseits ist vor allem der den Fokus bildende Aspekt der ritualisierten Selbstfürsorge und dessen ambivalentes Potential in einer beschleunigten Welt Gegenstand der systematischen Betrachtung. Denn Rituals Cosmetics ist weder der Erfinder von ritualisierter Selbstfürsorge noch hat es ein Monopol auf die Idee, sich in regelmäßiger Form sich selbst zuzuwenden. Ob man von Routinen, Gewohnheiten oder Ritualen spricht, di [...]
doi:10.25365/thesis.64252 fatcat:j4wxyoksuvg2plcgwy5gpsrjiu