Wörterbuch zur biblischen Botschaft / hrsg. von Xavier Léon-Dufour ... - Freiburg u.a.: Herder, 1964

Josef Scharbert
2014
Wien 1964, XXVI und 828 S. -Ln. Vorzugspreis DM 88,-. Das vorliegende Wörterbuch ist eine Ubersetzung des französischen Vocabulaire de theologie biblique, Paris 1962. Der deutsche Verleger begründet die Titeländerung »vom Grundzug der Sache her« (XI Anm. 1); vermutlich hat er aber auf die geeignetere Wiedergabe »Bibeltheologisches Wörterbuch« vor allem deshalb verzichtet, weil unter diesem Titel bereits das Werk von J. B. Bauer, 2. Aufl. Graz 1962, existiert. Von diesem unterscheidet sich das
more » ... ue Wörterbuch durch eine ausführlichere Einleitung über das Problem der biblischen Theologie, über den Sinn eines bibeltheologischen Wörterbuchs und über die literarische Geschichte der Bibel, durch eine wesentlich größere Zahl von Stichwörtern, durch ein umfangreicheres Sachregister mit zahlreichen Querverweisen, dafür nehmen aber die Herausgeber einen für den wissenschaftlich interessierten Benutzer sehr nachteiligen Mangel in Kauf, nämlich den Verzicht auf alle Literaturhinweise. Allein schon deshalb kann sich die im Vorwort ausgesprochene Hoffnung, das Werk möge den Ansprüchen nicht nur des gläubigen Bibellesers, sondern auch des Gelehrten entsprechen, kaum erfüllen. Die einzelnen Artikel behandeln mit wenigen Ausnahmen nur die in der Bibel selbst vorkommenden Begriffe und Namen. Die 70 Mitarbeiter, zumeist bekannte französische Exegeten, gehen der Geschichte der Begriffe nach und arbeiten gut die wesentliche Bedeutung für die biblische, systematische und praktische Theologie heraus. So erfährt der Benutzer, der sich rasch über einen biblischen Begriff informieren will, reiche und im allgemeinen recht zuverlässige Belehrung. Wie bei jedem derartigen Nachschlagewerk muß man freilich auch hier die Beiträge mit kritischem Blick lesen. Es ist unvermeidlich, daß die Mitarbeiter, die oft sehr verwickelte Probleme auf nur einer Spalte behandeln müssen, simplifizieren und gelegentlich nicht deutlich machen können, daß sie eine vielleicht sehr umstrittene Meinung subjektiv darstellen. So sind z. B. unter dem Stichwort »Mittler« die Einreihung des »Gottesknechtes« unter die eschatologischen Mittler, seine Deutung als »Personifi-zierung des Restes Israels« und seine Charakterisierung als »neuer Typ priesterlichen Mittlertums« (471 f) fragwürdig; man hätte hier wohl doch gerade den Nichtfachmann darüber informieren sollen, daß viele Exegeten die Gottesknechtaussagen Deuterojesajas anders verstehen. Im Artikel »Knecht Gottes« muß der Leser verwirrt werden, wenn er einerseits liest, Is 49-55 sei »der Schluß des Buches«, und anderseits die Feststellung findet, »der Prophet« (also derselbe wie in 49-55?) spiele in den folgenden Kapiteln, also in 56-66, nicht mehr an die Sühne des Knechtes an (381). Ähnlichen Unkorrektheiten begegnet man öfter. Auf das Konto des Übersetzers dürften die falsche Wiedergabe des hebräischen Verbs arar mit »demütigen« (180) und die Verwechslung Elias (des Propheten!) mit Eli (dem Priester von Silo!), der eigentlich gemeint ist (S. 470), gehen. Man hätte den Gottesnamen in der unter den deutschen Exegeten eingebürgerten Form »Jahwe« und nicht »Jahve« schreiben sollen. Zumeist geben die Mitarbeiter ausdrücklich an, welche hebräischen und griechischen Termini dem betreffenden Stichwort entsprechen. So ist es für den Leser sicherlich interessant zu erfahren, daß das AT keinen Terminus hat, der unserem Begriff »Verheißung« entspricht, und daß erst das NT einen solchen mit ^jtaYY 8^'1 « prägt (712). Leider fehlen aber öfter solche Hinweise, z. B. beim Stichwort »Leiden« oder »Ebenbild«, bei dem übrigens Gen 1, 26 f. mit »nach dem Bilde und Gleichnis Gottes« falsch übersetzt ist. Solche Unausgeglichenheiten und Schönheitsfehler muß man bei jedem Nachschlagewerk in Kauf nehmen, besonders wenn es sich um Übersetzungen handelt. Das Werk wird trotzdem Seelsorgern, Katecheten und interessierten Bibellesern ausgezeichnete Dienste leisten. Das hier besprochene Wörterbuch und das Bibeltheologische Wörterbuch von J. B. Bauer ergänzen einander gut. Man wünschte darum beide Werke in der Handbibliothek des Theologen und Seelsorgers. Der Rezensent kann aber anläßlich der Besprechung eines neuen Nachschlagewerkes einen Stoßseufzer nicht unterdrücken: Möchte doch in den nächsten zehn Jahren niemand mehr auf den Gedanken kommen, wieder ein neues Lexikon zu planen! Es gibt deren nun wahrlich für einige Zeit genug! Freising Josef Scharbert
doi:10.5282/mthz/1572 fatcat:2myosr7zc5f7xdtvuomsibcmby