1. Gliederung und Charakteristika der Kostenrechnungssysteme [chapter]

2020 Kostenrechnung  
Die von der Praxis an das industrielle Rechnungswesen gestellten erhöhten Anforderungen haben im Zeitablauf dazu geführt, den Umfang und den Inhalt der Kostenrechnung sowie die Mengen-und Wertansätze der in die Betriebsbuchhaltung und die Kalkulation einfließenden Kostenarten entsprechend den mit dem innerbetrieblichen Rechnungswesen verfolgten Dokumentations-, Planungs-und Kontrollzielen 194 zu gestalten. Die aus diesem Entwicklungsprozess resultierenden zahlreichen Kostenrechnungssysteme
more » ... n sich nach verschiedenen Kriterien unterscheiden. 195 Unter dem Gesichtspunkt der Preiskalkulation kann es sich z. B. als zweckmäßig erweisen, alle Kosten in Gestalt eines Vollkostensystems verrechnungstechnisch zu berücksichtigen. Erstreckt sich die Zielsetzung der Kostenrechnung hingegen auf die Preisbeurteilung, etwa in Form von Preisunter-oder Preisobergrenzenbestimmungen oder aber auf die Unternehmenskontrolle 196 , bei der lediglich Kosten derjenigen Bereiche zu überwachen sind, die durch die Verantwortlichen beeinflusst werden können, so genügt die Erfassung eines bestimmten Teils der Kosten im Rahmen einer Partialkostenrechnung. Werden hingegen effektiv angefallene Mengen und Preise der Verrechnung zugrunde gelegt, dann kommt das System der Istkostenrechnung zum Zuge. Das Rechnen mit Istkosten ist dadurch gekennzeichnet, dass grundsätzlich alle zufälligen Beschäftigungs-und Produktionsschwankungen Berücksichtigung finden, wodurch eine laufende Änderung der Kostenrechnung relevant werden kann. Zum Zweck der Eliminierung dieser Schwankungen und aufgrund der rechentechnischen Schwerfälligkeit dieses Verfahrens sind Systeme konzipiert worden, die Kosten mit Normal-oder Plancharakter in die Verrechnung einfließen lassen. Da die Normalkostenrechnung auf durchschnittlichen Istkosten aufbaut und somit keine ausreichende Möglichkeit der Kostenkontrolle bietet, wurden Systeme entwickelt, bei denen dem Güterverzehr geplante anstatt effektive oder durchschnittliche Mengen und Werte zugrunde gelegt werden. Der Rückgriff auf ein Ist-, Normal-oder Plankostenrechnungssystem bedeutet jedoch nicht zwingend die Hindurchführung sämtlicher Kostenbestandteile durch alle betrieblichen Abrechnungsstufen. Infolgedessen kann auch eine Ist-, Normal-oder Plankostenrechnung sowohl auf Voll-als auch auf Partialkosten basieren. Die Prozesskostenrechnung stellt eine Weiterentwicklung der traditionellen Vollkostenrechnungssysteme dar und hat insbesondere im Rahmen der Gemeinkostenkalkulation und des Kostenmanagements Bedeutung erlangt. 194 Vgl. zu den Zielen der Kostenrechnung Abbildung 55 im dritten Teil zu Gliederungspunkt 1. 195 Vgl. zu den Entwicklungsstufen der Kostenrechnung im Einzelnen Kilger/Pampel/Vikas 2012, S. 49-112. 196 Vgl. zum Aufbau und Einsatz betriebswirtschaftlicher Kontrollrechnungen Freidank 2012, S. 90-115.
doi:10.1515/9783110634785-012 fatcat:pgk4dlwgdrbszgwmgx64jp6co4