Renate Künast MdB

Maria Wersig, Barbara Dittmann
2010 djbZ - Zeitschrift des Deutschen Juristinnenbundes  
Renate Künast MdB | Porträt Warum haben Sie nach dem Abschluss des Studiums der Sozialarbeit und mehrjähriger Berufstätigkeit noch Jura studiert? War Rechtsanwältin damals -zu Beginn des Studiums -ihr Ziel? Ich habe als Sozialarbeiterin gelernt, dass man sehr viel erreichen kann mit persönlichem Einsatz für eine wichtige Sache. Um aber an den Strukturen etwas zu verändern, braucht es andere Werkzeuge. Dafür ist ein Studium der Rechtswissenschaften sehr gut. Klar war mir von Beginn an, dass ich
more » ... eginn an, dass ich dazu beitragen wollte, die Verhältnisse zu ändern. Da kommt frau an den Rechtswissenschaften nicht vorbei. Hat Ihre Familie und Ihr weiteres persönliches Umfeld Sie in Ihrem Berufs(wechsel)wunsch unterstützt? Es gab immer Menschen in meinem Leben, die mich unterstützt haben. In der Grundschule war es meine Lehrerin, die meinem Vater sagte: Die kann und will etwas, sie soll noch weiterlernen. Was würden Sie heute anders machen, wenn Sie noch einmal am Anfang Ihrer Karriere stünden? Würden Sie überhaupt etwas anders machen? Wenn ich heute rückwärts schaue, hätte ich mich früher und stärker mit Sprachen und Wirtschaftspolitik beschäftigt. Aber was soll's -ich habe jeweils gemacht, was ich mir zutraute und was mich reizte. Hatten Sie zu Beginn Ihrer Karriere weibliche Vorbilder? Haben Sie (dieselben) auch heute noch? Wenn ja, was macht deren Vorbildcharakter für Sie aus? Für Frauen gab es in den Achtzigerjahren noch nicht viele weibliche Vorbilder in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Schon als Teeny fand ich Hildegard Hamm-Brücher beeindruckend. Heute auch noch. Sie ist selbstbewusst und gradlinig. Heute bewundere ich die vielen Heldinnen des Alltags. Frauen, die jeden Tag neu die Doppel-oder Dreifachbelastung meistern. Sie schaffen ihren Job -oft genug schlecht bezahlt als Altenpflegerin, Verkäuferin, Friseurin und schaffen es, auch noch die Erziehung und Betreuung von Kindern unter einen Hut zu bekommen. Was sie leisten, grenzt häufig an das menschlich mögliche. Sie brauchen bessere Bezahlung, bessere Betreuung und oft genug auch emanzipiertere Männer, was die Beteiligung an den Haushalts-und Erziehungspflichten angeht.
doi:10.5771/1866-377x-2010-4-201 fatcat:yxtzcngybrduhkvg6xx7tjokby