Zur Technik der Alexander-Adam-Operation

1905 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Die Nebenverletzungen bei der Verkürzung der runden Mutterbänder, die in der Berliner Gesellschaft der Charitéärzte am 17. November 1904 von 1-locheisen und Bumm gesehildert wurden, veranlassen mich, die von mir geübte Technik zu beschreiben, wie sie sich mir bei 178 Operationen bewährt hat, ohne daß Nebenverletzungen irgendwelcher Art vorgekommen sind. Durch Betasten überzeugt man sich von der Lage des äußeren Leistenringes dicht neben dem Tuberculum pubicum und von dem Verlauf des
more » ... auf des Poupartschen Bandes und macht diesem annähernd parallel einen etwa 6-7 cm langen Schnitt bis auf die Fascie des äußeren schiefen Bauchmuskels. Dann wird -der äußere Leistenring freigelegt, der verschieden groß, aber leicht an der Begrenzung durch die Faseienränder des Obliquus externus kenntlich ist. Bei sehr fettleibigen Personen kann man sich durch Betastung mit dem behandsehuhten Finger die Aufsuchung erleichtern; man fühlt deutlich die Lücke dicht oberhalb des Ansatzes des Poupartschen Bandes. Die Aufsuchung des äußeren Leistenringes ist sehr wichtig, da man nur von hier aus sich über die Lage des runden Mutterbandes orientieren kann. Dann fasse ich mit einem Kiemmer das Ligament an der Austrittsstelle und spalte die Fascie des Obiiquus in der Richtung des Faserverlaufes, beziehungsweise, wenn der Verlauf stark aufsteigend Ist, mehr in der Richtung des Poupartschen Bandes in einer Länge von etwa 4-5 cm und ziehe mittels kleiner, scharfer Haken die Schnittränder der Fascie auseinander. Indem ich nun das Ligament mittels des Kiemmers anziehen lasse und dem Laufe des dünnen, nur durch Anlagerung der Muskelfasern des Obliquus internus verstärkten Bandes folge, suche ich es dort auf, wo es stärker entwickelt ist, etwa 3 cm von der Austrittsstelle unter dem äußeren Schenkel des Leistenkanals, wo es fast immer mit einem Griff zu finden ist. Ich ziehe vor, es an dieser Stelle zu fassen und nicht von der Austrittsstelle hervorzuziehen, weil es hier sehr leicht reißt und man durch Suchen an unrichtiger Stelle sich Muskel-oder Fascienbiindel isoliert, die man fälschlich für das Band hält. Man erkennt es an der von dem übrigen Gewebe sich deutlich abhebenden weißen Farbe und der Leichtigkeit, mit welcher es dem Zuge der Pinzette folgt. Bei fettleibigen Personen kann die Aufsuchung größere Schwierigkeiten haben, weil Fettgewebe sich immer wieder vordrängt; man darf sich hier beim Suchen nui' nicht weit von dem äußeren Schenkel des gespaltenen Leistenkanals entfernen. Hat man das Band gefunden, fasse ich es mit einem I{lemmer und befreie es beim Anziehen durch Abstreifen mittels Pinzette und Tupfern von dem Fettgewebe und schiebe zugleich den Peritonealtrichter stumpf zurück. Hierbei darf man nicht zu ängstlich sein, weil man sonst bei ungenilgender Verkürzung die Gefahr des Rezidivs schafft, andererseits nicht zu stark anziehen, weil das Band reißen kann, was mir viermal passierte. In zwei Fällen konnte ich das zentrale Ende noch fassen und einnähen, in den beiden anderen Fällen habe ich mich mit der Verkürzung der einen Seite begnügt; jedenfalls habe ich immer von einer tieferen Spaltung des Leistenkanals abgesehen. Nach Freilegung und Vorziehen des Bandes reiße ich das peripherische Ende stumpf ab, weil beim Abschneiden stets ein kleines Gefäß blutet, und fasse mittels feiner Seidennähte die durchschnittenen Faseienränder so, daß das Ligament mitgegriffen und unter die Nahtlinie gelagert wird. Auf diese Weise beugt man am besten einem Nachgeben der Naht und der Entstehung einer Hernie vor. Den Nervus ileo-ingainalis kann man schonen, es schadet Dieses Dokument wurde zum persönlichen Gebrauch heruntergeladen. Vervielfältigung nur mit Zustimmung des Verlages.
doi:10.1055/s-0029-1188092 fatcat:wdnooc5adbax3hbbk3grypcmkm