Zur Wertigkeit von Immunkontrollen bei Immuntherapie gynäkologischer Karzinome

Philip J. Disaia, William M. Rich
1981 Gynäkologisch-Geburtshilfliche Rundschau  
12 Patientinnen, die wegen eines Zervixkarzinoms des Stadiums III einer Strahlentherapie unterzogen wurden, und 18 Frauen mit Carcinoma ovarii im Stadium III, deren Behandlung in einer Monochemotherapie (Melphalan) be-stand, bildeten das Patientengut der vorliegenden Studie. Die Autoren ergänzten diese konventionelle Tumortherapie durch eine adjuvante Immuntherapie mittels Corynebacterium parvum und überprüften den Immunstatus der Patientinnen vor Behandlungsbeginn und während der Therapie in
more » ... d der Therapie in 4wöchigen Abständen. Als Immunparameter dienten Hautteste mit Standard-und Neoantigenen, die absolute Zahl der peripheren Lymphozyten, ihre Subpopulationen sowie ihre mito-geninduzierte Stimulierbarkeit. In der Patientengruppe mit Zervixkarzinom waren 6 Patientinnen 18 Mo-nate nach Beginn der geschilderten Therapie rezidivfrei; in der Gruppe der Patientinnen mit Ovarialkarzinom wurden 6 Patientinnen, welche 1 Jahr nach Therapiebeginn keine Progredienz des Tumors aufwiesen, als Fälle mit positiver Therapieantwort gewertet. Die prätherapeutischen Hautteste zeigten deutlich bessere Resultate bei Patientinnen mit günstigem Krankheitsverlauf und somit eine positive Korrela-tion zur Prognose, in 80% der Fälle blieb jedoch die primäre Reaktionslage auch während der Immuntherapie unverändert. Kurzfassungen von Zeitschriftenartikeln 176 Die Auswertung der lymphozytären Parameter (In-vitro-Stimulation und Lymphozyten-Subpopulationen) ergab keine Korrelation zum weiteren Krank-heitsverlauf, wobei nur die Minderheit der Patientinnen unter der Immuntherapie einen Anstieg der Werte zeigte. Hingegen konnten bei den absoluten Lym-phozytenzahlen tiefere Ausgangswerte und ein deutliches Absinken derselben während der Therapie bei Patientinnen mit ungünstigem Krankheitsverlauf ge-funden werden. Für die Praxis ist besonders der Hinweis auf die prognostische Aussagekraft der absoluten Lymphozytenzahlen von Bedeutung, da dieser Parameter in der Praxis wesentlich leichter zu erheben ist als alle anderen geschilderten Tests. Für die Klinik liegt der Wert der vorgelegten Studie vor allem in der Aufdeckung des geringen Einflusses der Immuntherapie auf die untersuchten Parameter, da diese Tatsache voreiligen Schlussfolgerungen den Weg versperrt und weitere grundlegende Untersuchungen fordert. Zweifelsohne müsste jedoch schon allein eine idente Immunüberwachung von Patientinnen mit konventio-neller Karzinombehandlung ohne nachfolgende Immuntherapie im Sinne einer Kontrollgruppe eine Erweiterung der gewonnenen Erkenntnisse bringen. G. Wagner, Wien
doi:10.1159/000268985 fatcat:tvsbsd3hr5hurjjbunmw36dwri