Eine Klosterneuburger Fälschung aus dem Jahre 1480

Otto H. Stowasser
1914 Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung  
Die ältesten Urkunden der Habsburger über die Fischereirechte des Stiftes Klostirneuburg in der Donau bieten ein bemerkenswertes Beispiel diplomatischer Fälschung aus dem XY. Jahrhundert 1 ). Es handelt sich um die schon längst gedruckten und bekannten Urkunden der Herzoge Rudolf vom 13. Juli 1306 und seiner Brüder Albrecht und Otto vom 20. August 1330, mit denen die genannten Herzoge dem Stifte seine Fischweide bestätigen 2 ). Sie sind bisher unangefochten geblieben, obwohl sie des öftern in
more » ... sie des öftern in der Literatur benutzt wurden und bei näherem Zusehen deutlich als Machwerk erkennbar sind. Schon die Schrift, in der sie geschrieben sind, ist in der ersten Hälfte des XIV. Jahrhunderts unmöglich und weist beide Urkunden dem hohen XV. Jahrhundert zu. Die Urkunde Herzog Rudolfs zeigt in den großen Anfangsbuchstaben (M, E, A) schon deutlich einen Einfluß der Humanistenschrift, und auch ihr allgemeiner Schriftcharakter entspricht dem späteren XY. Jahrhundert. Einzelheiten aber deuten wieder darauf hin, daß dem Schreiber ältere Urkunden vorlagen. So ') Es sei mir gestattet, auch an dieser Stelle dem hochwürdigen Stiftsarchivar Herrn Prof. Dr. Berthold Cernik für sein liebenswürdiges Entgegenkommen meinen verbindlichsten Dank zu sagen. s ) Merkwürdigere Schicksale des Stiftes und der Stadt Elosterneuburg aus Urkunden gezogen von Maximilian Fischer (1815) Π. 323 und 360.
doi:10.7767/miog.1914.35.1.100 fatcat:mrhees6ojrdmbpwwvy4z3zqnh4