Leone Battista Alberti

Die Redaktion
2019
LEONE BATTISTA ALBERTI Bericht über die vom Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München veranstaltete wissenschaftliche Arbeitstagung (7. -9. März 1960) Das nachfolgende Heft enthält die Resutnes der während der Tagung gehaltenen Vorträge und Referate und gibt eine zusammenfassende Übersicht über die Dis kussionen. ERÖFFNUNGSANSPRACHE VON L. H. HEYDENREICH Unter den mannigfachen fruchtbaren Ansätzen, die in der jüngsten kunstgeschicht lichen Forschung im Hinblick auf eine neue, klarere
more » ... neue, klarere Bestimmung und Wertung der Frührenaissance zu beobachten sind, fallen die Studien über Leone Battista Alberti besonders ins Gewicht. In Albertis Persönlichkeit und Wirken bietet sich der Typus des künstlerisch geschulten Humanisten in reiner, vollkommener Form dar. Er widmete sich den artes liberales in ganzem Umfang; im Trivium und Quadrivium ist er Meister und entwickelt aus seinem Wissen in diesen Disziplinen eine Philosophie, deren ethisch moralischen Gehalt Eugenio Garin in so trefflicher Weise gekennzeichnet hat. In diese Lehre aber ist die Beschäftigung mit den bildenden Künsten fest eingefügt: in der künstlerischen Betätigung wirkt sich das Schöpferische des Menschen aus und bietet ihm zugleich die Möglichkeit, die vita contemplativa und die vita activa in einer Syn these zu vereinen, wobei eine der höchsten Forderungen erfüllt wird, das "essere utile a tutti i suoi cittadini", d. h. der Dienst an der Allgemeinheit. So tritt bei Alberti die Kunst in unmittelbare und lebendige Beziehung zum Denken. Theorie und Praxis wirken ständig aufeinander ein. Aus einer intensiven, im ursprüng lichen Sinn des Wortes "dilettierenden" praktischen Beschäftigung mit der Malerei, Plastik und Architektur erarbeitet er Theorien dieser Künste, die jede in ihrer Art literarische Neuschöpfungen von höchster Bedeutung sind. So sehr Alberti sich der antiken Überlieferung verpflichtet fühlt und so umfassend und unermüdlich sein denliterarischen wie bildkünstlerischen -Vorbildern der 337
doi:10.11588/kc.1960.12.66179 fatcat:43haaccei5g7rd44pxp427g7pm