CIL XIII 4136 Rekonstruktion einer verlorenen Grabinschrift aus Irsch in der Gallia Belgica *

Andreas Kakoschke, Rainer Wiegels, Geburtstag
2015 Frankfurter elektronische Rundschau zur Altertumskunde   unpublished
Zusammenfassung: Eine verlorene fragmentarische Grabinschrift römischer Zeitstellung aus Irsch bei Bitburg (CIL XIII 4136) lässt sich mit Hilfe des bekannten Namenmaterials relativ sicher ergänzen. Der Grabstein wurde von einem einheimischen Treverer namens [L.?] Ataco[niu]s Ammo[sus] für seinen verstorbenen Sohn [Am]mosius A[vitus?] gesetzt. Abstract: A lost fragmentary funerary inscription from Irsch near Bitburg (CIL XIII 4136) dating to the Roman period, can be reconstructed with reasonable
more » ... ted with reasonable certainty with the help of the personal names already known. The Inscription was dedicated by a local Treveran named [L.?] Ataco[niu]s Ammo[sus] for his dead son [Am]mosius A[vitus?]. Der lange Zeit in Trier/Augusta Treverorum lebende spätrömische Dichter Decimus Magnus Ausonius beschreibt in einem dem Epigraphiker wohlbekannten Epigramm mit dem Titel De nomine cuiusdam Lucci sculpto in marmore eine verwitterte Grabin-schrift, in der nach dem Praenomen L(ucius) nur noch ein M mit Mühe entziffert werden kann. Der Rest des Namens ist nicht mehr lesbar, so dass man-wie Ausonius beklagt-nicht mehr sagen kann, ob der Verstorbene das Gentiliz Marius, Marcius oder Metellus führte. Die Unkenntlichkeit der Grabinschrift lässt Ausonius resigniert formulieren: Miremur perisse homines? Monumenta fatiscunt; Mors etiam saxis nominibusque venit (Dürfen wir uns wundern, dass Menschen zugrunde gehen? Die Denkmäler bekommen Risse; der Tod berührt auch Steine und Namen). 1 Die Worte des Ausonius wiegen so schwer, da das Grabmal mit Inschrift für den antiken Menschen ein Garant für das ewige Gedenken war, für ein Weiterleben in der Erinnerung. Nur der Grabstein, der daher oft noch zu Lebzeiten gesetzt wurde, garantierte memoria für die Zukunft und bot Schutz vor dem Vergessen durch die Nachwelt. 2 Der von Ausonius erwähnte L(ucius) M[-] ist dennoch, obwohl ihm beizeiten ein Grabstein gesetzt wurde, dem Nichts-dem Vergessen-anheim gefallen. Er teilt damit das Schicksal vieler antiker Zeitgenossen, wie die zahlreichen fragmentarischen oder unleserlichen Grabinschriften aus dem Imperium Romanum zeigen. In einigen Fällen jedoch lassen sich-wie die folgenden Ausführungen zeigen-die Verstorbenen mit Hilfe der Epigraphik dem Strom des Vergessens (für eine hoffentlich lange Zeit) wieder entreißen.
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