Die ritterlichen Klassen im steirischen Landrecht

Otto v. Zallinger
<span title="">1883</span> <i title="Bohlau Verlag"> <a target="_blank" rel="noopener" href="https://fatcat.wiki/container/3nv6tpdmgrgnrhthlfchmmmz4e" style="color: black;">Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung</a> </i> &nbsp;
Das vor wenigen Jahren unter dem Titel: " Das steirische Landrecht" durch F. Bischoff veröffentlichte ·), vermuthlich aus der zweiten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts stammende 2 ) Rechtsbuch erscheint als eine, wie für die Kenntniss des bairisch-österreichischen Rechts im Mittelalter überhaupt, so besonders auch für die Geschichte der Standesverhältnisse und zwar speciell der Rechtsverhältnisse der ritterlichen Klassen in der Steiermark, sehr beachtenswerthe, interessante Quelle. Der
more &raquo; ... lung von "der Herren Recht" ist darin eine längere zusammenhängende Reihe von Artikeln (Art. 85-120) gewidmet. Das Verständniss dieser Stellen wird nun aber durch den Umstand wesentlich erschwert, dass sich daselbst statt der in den gleichzeitigen und älteren süddeutschen Quellen, Urkunden und Rechtsaufzeichnungen, allgemein und regelmässig üblichen Standesbezeichnungen eine abweichende, eigentümliche Terminologie angewendet findet. Nirgends ist im steirischen Land recht von Grafen, freien Herren (Freien, im österreichischen Landrecht), Dienstmannen oder Landherren, (unter welcher Bezeichnung die drei genannten Klassen seit dem Ende des dreizehnten Jahrhunderts bekanntlich vielfach zusammengefasst werden), ebensowenig von Rittern und Knappen die Rede. Wir begegnen in demselben vielmehr als Benennungen von -wie sich aus dem Inhalt der bezüglichen Stellen mit Sicherheit ergibtritterlichen Personenklassen ausschliesslich folge nden Ausdrücken: Herr, Dienstherr, Edelmann, Landmann, Gotteshausmann, Eigenmann. ') Steiermärkisches Landrecht dee Mittelalters, bearbeitet von Dr. Ferdinand Biechoff; herausgegeben -vom historischen Vereine für Steiermark. Graz 1875· ») Vgl. das Einleituug S. 57 ff. Brought to you by | New York University Bobst Library Technical Services Authenticated Download Date | 7/17/15 1:39 PM ') Siehe Art. 72, 80, 86, 87, S8, 90, 95, 97, 107, 1 09, 1 10, 112. ') Art. 85, 91, 96, 115, 118 u. a. 3 ) Vgl. Fürth, Die Ministerialen S. 491 ; Hasenöhrl, Oeeterr. Landr. S. 74; und jetzt auch Siegel, Die rechtliche Stellung der Dienstmannen in Oesterreich im zwölften und dreizehnten Jahrhundert S. 6, welche erst nach Abschluss gegenwärtiger Arbeit erschienene A'ihaudlung hier leider im Einzelneu nicht mehr gebührend berücksichtigt werden konnte. Brought to you by | New York University Bobst Library Technical Services Authenticated Download Date | 7/17/15 1:39 PM 396 Zallinger. Art. 85: Aiii isleich her tut wol das recht hincz sinen diener vinb varend gut oder vmb gült. Art. 86: Wann aiaem ain fürpot chümpt von aim dienstherrn, wauQ daz furbot zwelf wocheu alt wirdet, an dem tag schol der mit recht antwurten -wann dann der dritte tag ist. -Chumpt er aber nicht auf den dritten tag, so ertailt man daz gut in vron gewalt dem herrn da ez von ze lehen ist. Wie nun einerseits das in Art. 8ö den , Herren" zugesprochene Recht der niederen Gerichtsbarkeit über hörige Leute in Steiermark notorisch schon im K5. Jahrhundert auch den Ministerialen allgemein zustand '), so verträgt andererseits der Inhalt des Art. 86 selbstverständlich keine Einschränkung des Begriffes Dienstherr speciell auf diese Klasse, ebensowenig wie die folgenden Bestimmungen, worin überall in gleicher Weise des von den Dienstherrn Gesagte offenbar für alle Lehensherren gilt: Art. 87: Ez mag dhain dinstherr dhain gut behalten, daz von im ze lehen ist, ez chöm ee mit recht in vrongewalt. Art. 88: Chain dinstherr mag nyemant angesprechen vmb das gut, das von im ze lehen ist, er leich ims ee. Ganz deutlich erscheinen sodann in der nachstehenden Artikelreihe die Dienstherren geradezu als der Stand der Lehensherren, als die (einzige) Klasse, von welcher andere Ritterliche Gut zu Lehen haben: Art. 107: Waun ein edelman den andern anspricht vmb ain gut, daz von aim dinstherr en ze lehen ist, so seczt der dinstherr wol ain an sein stat; -Art. 109: Ez chawft ain edelman ains dins therren aigen wol, daz er ee von im ze lehen gehabt hat. Art. 110: Chawft ain edelman ain aygen von ainem dinstherrn, daz aim ander edelman von in ze lehen hat u. s. w. Art. 112: Spricht ain dinstherr ainen an vmb daz gut, das von im ze lehen ist, so geit der dienstherr seinem verlehenten man wol teg auf sein aigen in dem lant u. s. w. In einer anderen Folge von Artikeln wechseln dann die Ausdrücke Dienstherren und Herren offenbar in der allgemeinen Bedeutung von Grundherren: ') Vgl. ζ. B. in der Anmerkung zu diesem Art. (Steierm. Landr. S. 112) die Urkunde v. J. 1272, wonach durch Rechtespruch dem Abt von Reun dae Recht zuerkannt wird »quod caueas super questione rerum mobilium de horainibue suis -sicut ministeriales et alii nobilee terre debeat iudicare. * Brought to you by | New York University Bobst Library Technical Services Authenticated Download Date | 7/17/15 1:39 PM Gesch. d. älteren Gerichtswesens in Oesterr. S. 62. 64. Archiv f. vaterl. Gesch. und Topogr. hernusgp<»pbpn vom histor. Vorein f. Kärnten Γ, w i6 3 ) Das S. 4 J Das. ö. 56. Brought to you by | New York University Bobst Library Technical Services Authenticated Download Date | 7/17/15 1:39 PM ') Vgl. Urkkb. d. Herzogtk. Steier 2, 651. ') Nur die Grafen von Pfannberg erscheinen, wie bemerkt, in der spätem Zeit des IS. Jahrhunderts noch neben den Dienstherrn, aber nach ihrem ganzen Auftreten in den Urkunden völlig wie Genossen derselben, ohne jedes Anzeichen einer jenen gegenüber bevorrechteten Stellung. 3 ) Vgl. Hasenöhrl Oesterr. Landesr. S. 75, 76; Siegel, Die rechtl. Stellung d. üsterr, Dienstm. S. 12
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