Rosa Luxemburgs «Martyrium». Bilderpolitik zu Krieg und Revolution 1918/19

Kathrin Hoffmann-Curtius
2015 Zeitschrift für Ideengeschichte  
In den Kriegen des 20. und 21. Jahrhunderts starben und sterben zunehmend mehr Zivilisten als Kombattanten, wobei die sexuelle Gewalt gegen Frauen als integraler Bestandteil militärischer Strategien angesehen werden muss. 1 Nachrichten von der Ermordung alter Menschen, von Kindern und besonders von der Vergewaltigung der Frauen, auf die im 20. Jahrhundert der Begriff der Schändung weitgehend eingeengt wurde, belegen dies zurzeit erneut. Jedoch meinen die meisten Fernsehredaktionen inzwischen,
more » ... ionen inzwischen, das Publikum vor dem Anblick der Opfer verschonen zu müssen. Dementgegen steht das neuerliche Plädoyer, die Argumente, die für ein Schauverbot sprechen, zu überprüfen und den medialen Sicherheits-und Schutzdiskurs zu reflektieren. Es sollte, so Linda Hentschel, nicht darum gehen, die Furcht vor den Bildern der Gewalt zu überwinden, sondern sie anzuerkennen. 2 In den Kriegen der frühen Neuzeit und vor allem während und nach dem Ersten Weltkrieg war es üblich, je nach der Position der Kriegspartei, die militärischen Angriffe im allegorischen Bild von Weiblichkeit, der begehrten, wehrhaften oder geschändeten Jungfräulichkeit, zu beschreiben. 3 Fiktive Metaphorik und Tat sind dabei kaum zu trennen. In actu wird und wurde die Schändung der Frauen als Waffe zur Entehrung des Gegners eingesetzt, um die unbegrenzte Verfügungsgewalt der Eroberer zu demonstrieren.
doi:10.17104/1863-8937-2015-3-18 fatcat:ooz7xwngwffh7ngwqe6r2kuf3a