Bemerkungen zur Mechanik des Nervensystems. (Die oxygene, organische, Energie.) (Schluss aus No. 44.)

O. Rosenbach
1892 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Schluss aus No. 44.) III. Der Mechanismus der Degenerationszustände peripherer Nerven. Acceptirt man die Thatsache, dass die Ganglienzellen Accumulatoren oder eigentlich Transformatoren und Accumulatoren zugleich sind , so müssen auch zwei Thatsachen der Nervenphysiologie von anderen Gesichtspunkten aus als bisher betrachtet werden; es ist dies einmal die Lehre von den sogenannten trophischeu Centren und zweitens die Lehre von dem Wesen der Leitung motorischer Reize. Wenn die Nerven nur
more » ... Nerven nur Leitungsbahnen wären, d. li. nur durch gewisse Formen kinetischer Energie , die in sie einstrahlen, in gewisse Schwingungen der kleinsten Theilchen geriethen, so wäre eine Degeneration der Bahnen nach Abtrennung vom Centrum nicht gut erklärlich; denn was wird mit dem Ausdrucké trophisch überhaupt erklärt? Wenn man jedoch weiss, dass auch die Nerven nicht Leitungsbahnen, sondern Maschinen sind, deren labiler (dynamischer) Gleichgewichtszustand , d. h. ihre Arbeitsthätigkeit, erhalten werden muss, wenn nicht stabile und indiferente Isodynamie der Theilchen, also Stillstand der Maschine und Zerfall in ein Moleculaggregat, d. h. Lähmung und Tod eintreten soll, so ist es erklärlich, dass der motorische Nerv, der vom Centrum der Energieanhäufung des Körpers, dem Rückenmark, abgetrennt ist, peripher degeneriren muss; nur so ist es erklärlich, dass Spinalnerven die vom Rückenmark, Gehirnuerven, die vom Mittelhirn abgetrennt sind, entarten. Die Transformatoren, die den motorischen Nerven bilden, können nur centrifugal geladen werden und müssen degeneriren, sobald der sie speisende, d. h. ihr labiles Gleichgewicht bewirkende, Nervenstrom unterbrochen ist; denn
doi:10.1055/s-0029-1199508 fatcat:ehc3al2pcvcgloqoiechwtbjn4