Mitteleuropa: politische Konzepte - sportliche Praxis

Matthias Marschik
2006
Als Österreich, die Tschechoslowakei und Ungarn Mitte der 1920er Jahre den Berufsfußball legalisierten, geschah das in dem mitteleuropäischen Dreieck des 'Donaufußballs'. Die populärste Sportveranstaltung in diesem Rahmen war das seit 1927 durchgeführte Turnier um den Mitropa-Cup. Es brachte Mannschaften der besten Klubs aus Österreich, der Tschechoslowakei, und Jugoslawien, zwei Jahre später auch aus Italien zusammen und erlangte große Popularität auch bei den nicht-teilnehmenden Ländern. Von
more » ... nfang an sollte der Mitropa Cup die finanzielle Lage der beteiligten Klubs verbessern; entsprechende Hoffnungen gingen seit 1925 einher mit der Wahrnehmung, dass Fußball ein ökonomischer Faktor sei. Bereits der Begriff 'Mitropa' belegt diesen ökonomischen Hintergrund, wurde doch die Mitropa-Schlafwagengesellschaft in Zusammenhang mit der Veranstaltung zu einem der ersten Sponsoren des europäischen Fußballs; denn Teams und Fans reisten exklusiv mit Mitropa zu den Auswärtsspielen. Der Nationalsozialismus stoppte die weitere Entwicklung des mitteleuropäischen Spielverkehrs, und alle Versuche der Wiederbelebung nach 1945 waren angesichts der politischen Veränderungen in Osteuropa eher halbherzig. Schließlich bildete sich um 1955 ein neues Muster des europäischen Klubfußballs mit Frankreich als Zentrum heraus. Der Mitropa Cup blieb jedoch legendär und stimuliert seit den 1990er Jahren immer neue Initiativen zur Wiederbelebung.
doi:10.12759/hsr.31.2006.1.88-108 fatcat:avumftm5nbgv7m6mv5uuasi2ea