Die vermarktete Politik – Der Kampf ums Weiße Haus

Detlef Junker
2018
Meine Damen und Herren, Der englische Außenminister Palmerston hat Bismarcks Politik in der Frage Schleswig-Holstein einmal so kommentiert: Nur drei Männer hätten die Verästelungen dieser Frage begriffen: der eine sei tot, der andere verrückt geworden und der dritte, er selber, habe alles wieder vergessen. Ich hoffe sehr, dass Sie meinen Vortrag über die hochkomplexen Präsidentschaftswahlen überleben, darüber nicht verrückt werden und in der nächsten Woche nicht wieder alles vergessen haben.
more » ... vergessen haben. Als ich die ehrenvolle Anfrage erhielt, im Rahmen des Studium Generale zum Leitmotiv "Manipulation" in den amerikanischen Präsidentschaftswahlen 2016 zu sprechen, zögerte ich. Nach einigem Nachdenken wählte ich das Leitmotiv "Vermarktete Politik". Obwohl es unlautere Machenschaften, Schiebung, Betrug und Korruption im Wahlkampf gibt, trifft meiner Ansicht nach der Begriff "Manipulation" nicht den Kern der Sache. Der Begriff Manipulation wäre nur dann angemessen, wenn man den zentralen Tauschakt jeder demokratischen Wahl -Wahlversprechen gegen Wählerstimmen -als unlautere Machenschaft bezeichnen wollte. Diese Ansicht gibt es, aber ich teile sie nicht. Worum geht es dann beim Kampf ums Weiße Haus? Es geht, so die Hauptthese meines Vortrages, im doppelten Sinne um den Markt. Erstens: Der harte Kampf um das knappste Gut jeder Demokratie, nämlich um öffentliche Aufmerksamkeit, wird mit allen Mitteln und Techniken der modernen Vermarktungsindustrie geführt. Auf der Bühne stehen natürlich die Kandidaten, zum zweiten Mal auch eine Kandidatin. Hinter der Kulisse aber beherrschen Wahlkampfstrate-Detlef Junker
doi:10.17885/heiup.studg.2018.1.23782 fatcat:y5wkb4cvfrcd7itnm4ezrqfcqy