Ueber Iritis serosa

F. Schleck
1919 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Die klinische Einteilung der Entzündungen der Tris geschieht gemeinhin nach der Art des iii das KainIner\rasser abgeschiedenen Exsudates. Es mag auch trutz der immer mehr sich anbahnenden Bestrebung, itioIug'sche Merkmale in den Vordergrund der Betrachtuug zu schieben, gerechtfertigt erscheinei, auf die Bbsclialfenlieit des gelieferten Exsudates Gewicht zu legen, veil tatsächlich diese für das weitere Schicksal des Auges cuje unverkennbare Bdeutung hat. Wissen wir doch. daß eine plastisclie
more » ... is durch die Synechienbilduiig, die soröse Iritis durch die Cefalir ds Glaukoms und die eitrige durch die drehende PanophthalmiQ schweren Schaden stifteii kann. Die Vorstellung ist dabei die, daß in der einen Reihe von Fallen eine Fibrinabscheduiig statthat, während in einer aide.ren Serum in die Kammer ergossen'wird und in der dritten weißoBlutkörperchen austreten. Das Krankheitsbild der plastischeii (fibrinösen) Tritis ist durch die Syneèhien irnd das wolkige Pupillar-oder Kammerexsudat wohl umschrieben, ebenso das der Iritis suppurativa durch das. }Ivpopyon. Demgegenüber entbehrt aher die Iritis serosa bislang jeder scharfen Begrenzung. Man weiß, daß die Frlrnkung sehr schleichend verläuft, ohne daß es zu erheblichen Entzündungsersc.hcinungen komnit, daß die Vorderkammer liclit vertieft wird und daß an der Hornhauthinterfläche weiße Beschlage auftreten, die man wieder aus dem Corpus ciliare ableitete und daher von einer Zyklitis sprach, die die Iritis serosa mit Vorliebe begleitet. Indessen . hat Fuchs 1) ganz recht, wenn er mit dieser Charakteiisierung unzufrieden ist und wenn er den Ausdruck seröse Iritis als einen der schlechtesten in der ganzen Angenheilkunde bezeichnet. Von den angegebenen Kennzeichen si das eii%e positiv, das andere negativ. Positiv seien die Bschlage, negativ die Abwesenheit der Synechien und der Schwartenbildung. Letzteres gflt freilich nur für die leiclteren FEUle ; denn hei längerem Bestande kommt es doch gewöhnlich zu Svnecliien, später ruiIlarmembranen. Fu eli bezeichnet solche Fälle, wenn jedes klinische Zeichen dei' Erkrankung der Iris fehlt, als reine chronische Zyklitis oder, wenn auch die Aderhaut mitbeteiligt ist, c.hroiiische Indochorioiditis. Dabei legt Fuchs das hauptgewicht auf da Wort chronisch. Wenn wir uns überlegen, welches Moment die unsicherheit in den Krankheitsbegriff der Tritis serosa hineintriigt, so liegt die Schwierigkeit auf zwei Gebieten. Wir nehmen eine Iritis an und sehen keine entzündlichen Symptome an der Tris, und wir beobachten eine vermehrte Flüssigkeitsansammlung in der Vorderkammer und führen diese kurzerhand auf den Austritt von Serum aus den 1nisgefßen zurück, obgleich niemand den -Beweis erbracht hat, daß sich tatsöchlich Serum dem Kammerwasser beimeugt. Schließlich fehlt. uns auch die Kenntnis von der herkunft der Beschk-ge an der Hornhauthinterflöche, von denen man nur die Vermutung hegt daß sie dem Corpus ciliare entstammen. Wie sie ins Kammerwasser und von hier aus an die Descernetsehe Mciiibran gelangen, bleibt unerklärt. Ich hoffe im Nachfolgenden dieses Rätsel lösen und den ganzen Krankheitsbegriff auf cineii festeren Grund stellen zu können. Dank der Fortschritte. welche uns die Gullstrandsche Spaitlampe unter Anwendung stark vergrößernder D op elobjektive gebracht hat, gelingt es jetzt. die vordere Augenkammer und Tris ihren Einzelheiten so zu durchforschen, daß die feinsten Veränderungen aufgedeckt werden. Nan erkennt dann, daß bei allen Föllen von Iritis serosa ein wrklicher Exsudationsprozeß statthat der genau so, wie bei den anderen Formen der Regenbogenhautentzüiidung, dem Kammerwasser eine charakteristische Veränderung verleiht. Voi' allem, wenn wir an der Grenze des in das Kammerwasser eindringen Lichtstrahls beobachten, erblicken wi eine Menge von feinsten hellen Pünktchen, die in dem vom Licht in Bewegung gesetzten Kammerwasser hin und her wogen. y. Gic1e Aich. (1 S. 43. Gleichzeitig vermissen wir nie am Pupihlarrand, teils unmittelbar innerhalb des Pigment.samúfis, teils dahinter oder davor das Ersc.lieineui von glasigen Tröpfchen, die hie und da pon braunem Pigmentstaub bestreut, meist aber nackt sind. Auffallend ist dabei, daß auch bei der starken Vergrößerung das Geivebe der Tris selbst kaum beteiligt zu sein scheint. An iiia,nehen Stellen zeigt sich eine geringe wollige Verdickung eines Biilkchens, ein eben durchschimmerndes, gering erweitertes Gefäß und eine leicht verwaschene Zeichnung der Trisoberfläche. Das aber ist alles, was zu sehen ist. Die kleinen Perichen, die sich am Pupillarrand durchzwängen, sind manchmal zart wie ein Knätuel von Spinnweben. Ab und zu liegt auf dem Pupillarrand audi nur ein ganz feines, nebel-. artiges, bei Augenbewigungen erzitterndes Wölkchen. In anderen Fiillen hat iiaii ciön Eindruck, als wenn Froschlaich am Pupillariand abgelagert w'äre, und wenn man dcii Strahlenkegel der Lampe unmittelbar neben den Pupillarsaum in das Pupillengebiet fallenhiißt., erweckt es 'you! auch den Anschein, als ob das vor dem Pupillarrand liegende Trisstroma leicht glasig durchscheinend geworden wöre. lui keinem einzigen der von mir beobachteten Fiil.le habe ich aher diese ganz eigentümlichen zarten Exsud atienen am Pupillarraiid vermißt, wenii ich audi manchmal liirgere Zeit danach suchen mußte und hie und da der Prozeß nur so gering angedeutet war, daß wir ihn nur entdecken können, wenn unser Auge auf dergleicheii Bilder schon eingeübt ist. Eine merkwürdige Wandlung geht in vielen Fällen der pigmentierte Puinillarsaum ein. Er wird durch allmählichen Zerfall seiner Zelleii entfärbt und kann schließlich auf weitere Ausdehnung ganz verschwinden. Zumeist ist dies von einer Aussaat von Pigmentpünkt.chen auf der Linsenkapsel und auf d er IRlornhautrückfhi che begleitet. Damit komme ich auf den wichtigsten Befund zu sprechen: die Beschlöge der Descemetschen Mcmbran. Daß die Iritis serosa mit charakteristischen, schon makrosk opisch sichtbaren weiß en .Pünktchen , namentlich an der untereii Hälfte der Hornhautrückfläche einhergeht, war se-hon buge bekannt. Die Spaltianripe enthüllt aber, daß diese giöberen Ansammlungen nichts anderes sind als Haufen von ganz zarten , du ichsichtigcn , punkt-und keuleiiförmigen, minimalen Niederschhilgen, die dic ganze Rückfläche der Hornhaut wie eiui gleichmäßiger Tau überziehen. Es liegt wie ein glasiger hauch hinter der Hornhaut; und jedes einzeliic Gebilde läßt sich als ein Tröpfchen oder ein Fädchen wohl abgrenzen. Wahrscheinlich handelt. es sich um den Frguiß eines ganz zähen, dabei aber in unendliche Teilchen zerstiebenden Materials, du.s ganz offensichtlich aus den Perlchen am Puupillarrande herstammt und von hier aus als eine Unmasse glänzender, ira Spalt-licht flimmernder Partikelehen dem Kanimerwasser mitgeteilt. wird. An manchen Stellen sind die Teilchen um ein Zentrum heiumgelagert, welches von kleineren oder gröberen Pigmentkhiiinpc-heui gebildet wird, die natürlich von den zerfallenden Pigmentzclleii des Pupillarsaums herrühren. Diese Gebilde finden wir fast nur in der unteren Hiilfte der Hornhautrückflö che. Sic scheinen ein höheres spezi fisches Gewicht als das Kammer\vasser zu haben und sinken daher gern zu Boden. W-sie sich festsetzen, schaffen sie eine geringe Rauhiukeit an der Descernetschien Membran, und um sie herum gruppiert sich dann eine vermehrte Menge von den aus der Iris stammenden feinsten Partikelchen. Auch ausgcn-anxierte Zellen möuen hie muid da den Mittelpunkt eines solchen größeren Haufens hllen. -Im mikroskopischen Präparp.te hatte man schon immer die echten, aus Zullen bestehenden Präzipitate von den falschen, nur aus homogenen Massen bestehenden unterschieden. Wir sebei an der Spaltiampe-innigste Beziehungen zwischen organisieltem und amorpheni Material. Die Detaining der Iiornhauthinterfläche mit einer dicht aneinander gereihtemi Menge von glasigen, zähen Tröpfchen läßt. es als selbstverständlich erscheinen, daß genaui dasselbe Material sich an allen Teilen des Auges absetzt, die dic vordere Kamme.r begrenzen, wenn wir auch nur an der }-Jornhaut wegen der besonderen optischen-Verhiiltnisse den strikten Nachweis führen können. Damit gemviiiimen wir aher ein weiteres Verst-.ndnis vorn. Wesen cies Prozesses und seiner schon hingt bekannten Beziehungen Heruntergeladen von: NYU. Urheberrechtlich geschützt.
doi:10.1055/s-0028-1137814 fatcat:ktubuebuubfqdlehrapqwkkwza