Der Subtext des Trivialen als Potenz der Poesie – Joseph Cornells ROSE HOBART und die klassische Kinoerzählung

Norbert M. Schmitz, Mediarep.Org
2020
Cornells Rose Hobart und die klassische Kinoerzählung Vier Thesen vorab: Die Überwindung der Narration des ‹classical style› wurde zum zentralen Motiv und zur programmatischen Metapher der Avantgarde, um den Autonomieanspruch moderner Kunst zu verteidigen. Avantgarde und Mainstream müssen aber keinesfalls einen unversöhnlichen Widerspruch darstellen, da Letzterer die eigentliche Referenz einer Moderne ist, die anstelle einer noch ex negativo ontologisch begründeten ästhetik die mediale Prägung
more » ... ie mediale Prägung als notwendiges Merkmal zeitgenössischer Kultur zum Anlass ihrer formalen Operationen macht. Dem Surrealisten Joseph Cornell gelingt es durch sein künstlerisches Verfahren, mit roSe hobart den erotischen Subtext des Hollywoodkinos als unmittelbare Filmlektüre zur Anschauung zu bringen. Die Verwendung von vermeintlich trivialem Material der Populärkultur in seinem Found-Footage-Film ermöglicht Cornell aufgrund der darin kollektiv verankerten Narrationsmuster eine besonders offene Form einer assoziativen Filmpoetik in der Tradition der französischen modernité.
doi:10.25969/mediarep/14292 fatcat:ukw5gmn27vepzij3bpflti64se