Die Arbeit mit Träumen bei Freud und heute

Michael Ermann
2017
Zusammenfassung: Freud konzipierte seine Traumdeutung nach dem Modell einer Neurose und sah in Ihnen das Ergebnis einer Verdrängung infantiler Wünsche. Seine Traumdeutung machte die verschleiernde Traumarbeit rück gängig und deckte den verdrängten Wunsch auf. Auf diese Weise wird die Kindheitsamnesie durch Erinnerung ersetzt und das Unbewusste vertrauter gemacht. Diese Art der Traumdeutung ist für «klassische» Neurosen noch immer gültig. Daneben hat sich in den letzten Jahrzehnten das Konzept
more » ... hnten das Konzept archaischer Träume Aufmerksamkeit verschafft, das vornehmlich bei den heute verbreiteten Persön lichkeitsstörungen Anwendung findet. Diese Träume unterscheiden sich wesent lich von den neurotischen Träumen. Sie stellen unverhüllt die Affektivität und das Befinden des Träumers dar und verweisen wie Zeichen auf den mentalen Zustand, in dem sie geträumt werden. Sie bedürfen keiner weiteren Interpretation. In der Behandlung fördern der Dialog und die Übersetzung der Zeichen in Sprache die Symbolisierung und helfen dem Träumer, sich zu begreifen, d. h. Begriffe für seine Zustände zu finden. Darüber hinaus macht er bei der thera peutischen Arbeit mit Träumen die Erfahrung, dass seine Zustände contained werden können. Schlüsselwörter: Traum, Gedächtnis, Persönlichkeitsstörung, Behandlungstechnik Träume und der Wandel der Psychoanalyse Als Hintergrund für das erweiterte Verständnis der Bedeutung von Träumen und des Umgangs damit seien einige der Veränderungen markiert, welche die Psychoanalyse in den 120 Jahren seit ihrer Entwicklung durch Sigmund Freud um 1890 erfahren hat.
doi:10.18754/jfp.58.9 fatcat:ymtvhlaoybdfnnx7pxycb7iism