Zur Reform des medizinischen Unterrichts

Erich Meyer
1919 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Die Klagen übei die Unzulänglichkeit der Ausbildung zum Arzte sind trotz mancher Neuerungen im Unterricht nicht verstummt.2) Die Einführung des praktischen Jahres, von der sich namentlich im Anfang Regierung und Aerzteschaft einigen Nutzen versprach, hat die Erwartungen in keiner Weise erfüllt. Lehrer und Lernende umgehen das ursprünglich Erstrebte in der verschiedensten Weise. Teilweise waren die Praktikantenstellen, besonders an den großen Kliniken, nichts weiter als Schreiberposten,
more » ... berposten, teilweise wurden sie, namentlich im Kriege, in schlecht bezahlte Assistentenstellen umgewandelt. Die Akademien der Medizin, die ursprünglich besonders die Weiterbildung der angehenden Aerzte im praktischen Jahre zur Aufgabe hatten, haben das Bestreben, sich in Universitätsinstitute umzuwandeln. Inzwischen treten neue Forderungen, hervorgerufen durch die sozialhygienische Not, auf: Es soll eine spezialisiertere Ausbildung in Kinderheilkunde, Haut-und Geschlechtskrankheiten bereits während des Studiums erfolgen, und schon ist dem Staatsexamen die Prüfung in diesen Fächern angegliedert worden. Es besteht Gefahr, daß diese und andere die Studierenden belastenden An-1) Die folgenden Ausführungen sind ein Auszug einer im Frühjahr 1914 begonnenen Broschüre, deren Fertigstellung info!ge des Krieges unterblieb. Die Forderungen sind im wesentlichen unverändert gelassen, doch ist im einzelnen manches den veränderten sozialen Verhältnissen angepaßt. 2) Von der umfangreichen Literatur über den Gegenstand sei nur eine im Jahre 1918 erschienene Schrift von J. S h w a I b e "Zir Neuordnung des medizinischen Studiums' erwähnt, in der die meisten wichtigen älteren Arbeiten Erwähnung gefunden haben. Vor Niederehri1t meiner Vorschläge war thir diese Broschüre nicht bekannt. Trotz vielfacher Verschiedenheit im Einzelnen wird der Leser manche gemeinsame Forderangen erkennen. 19. Juni 1919 DEUTSCHE MEDIZINISCHE WOOIIENSCHRIFT 693 Dieses Dokument wurde zum persönlichen Gebrauch heruntergeladen. Vervielfältigung nur mit Zustimmung des Verlages.
doi:10.1055/s-0028-1137825 fatcat:axhzuhqejzg4fi22j7snopd5pi