ÜBERSICHT DER NEUANGELSÄCHSISCHEN SPRACHDENKMÄLER

RICHARD WÜLCKER
1874 Beiträge zur Geschichte der Deutschen Sprache und Literatur  
Jtlickes ist der erste gelehrte gewesen, welcher es versuchte eine historische grammatik des englischen bis etwa zum jähre 1200 zu schreiben. ! ) Er teilt die spräche vom einfalle der Angelsachsen bis zur genannten zeit in drei perioden: 2 ) 1. Die erste nennt er britannisch-sächsische periode, die spräche lingua Britanno-Saxonica oder auch purior Saxonica. Von denkmälern führt er daraus nur die bei Alfred erhaltnen zeilen Cädinons an. 3 ) 2. Mit den am ende des 8. Jahrhunderts häufiger
more » ... ts häufiger werdenden einfallen der Dänen beginnt dann die zweite periode, die dänisch-sächsische und dauert bis zur eroberung durch die Normannen. In diese zeit fallen also alle damals bekannten angelsächsischen denkmäler. 3. Der dritte Zeitabschnitt ist dann der normanno-danosächsische. In dieser periode gehen nach Hickes 4 ) zwei dialecte neben einander, die lingua Semi-Saxonica, welche dem anglo-säch-!) Vgl. Hickesii thesaurus linguarum septentrionalium. Oxford 1705. 3 bde. 2 ) a. a. o. I. pag. 87. eap. 19. 3 ) Es sind natürlich die bei Alfred in seiner Übersetzung des Beda IV, 24 angeführten zeilen gemeint, die beginnen: Nu ve sceolon herjan heofonrices veard, metodes mihte and his mödgej?onc nicht die nordhumbrisch abgefassten: Nu scylun hergan hefaenricaes vard metudaes maecti end his modgidanc. *) Vgl. Hickes cap. 22 p. 134 u. 146. Beiträge zur geschichte der deutschen spräche. 1. i) Brought to you by | New York University Bobst Library Tech Authenticated Download Date | 5/28/15 2:39 AM Brought to you by | New York University Bobst Library Te Authenticated Download Date | 5/28/15 2:39 AM NEUANGELSACHSISCHE SPRACHDENKMÄLER. 59 schrieben, sowol diejenigen, welche sich des normannisch-französischen, als die, welche sich des (neu-)angelsächsischen bedienten. 9 ) Latham hat zuerst darauf aufmerksam gemacht, wie wenig doch eigentlich das normannisch-französische auf die angelsächsische spräche eingewirkt hat. 10 ) Er führt aus, wie das angelsächsische nach natürlichem gesetze sinken muste, auch ohne die normannische eroberung und tritt so gegen die auf, welche behaupten wollen, das abschleifen der endungen, das abschwächen der vollen vocale und ähnliches sei durch die fremden gekommen. Madden in seiner trefflichen einleitung zu Lagamon folgt Latham und stellt seit der normannischen eroberung folgende perioden auf: u ) 1100 -1230 Semi-Saxon. 1230 -1330 Early English. 1330 -1500 Middle English. 1500 -1600 Later English Im allgemeinen ist diese art der einteilung jetzt überall angenommen. Zweifel herscht über die letzte periode, die meist schon zum neuenglisch gerechnet wird. Ebenso kann man über 1100 als beginn des Semi-Saxon streiten, allein diese aufstellungen sind ja alle nur ungefähr und tiberall gibt es hier Übergänge, die man zur früheren oder späteren periode zählen kann. Koch hat ebenfalls diese einteilung, welche Madden machte, angenommen, doch weist er mit recht den eigentümlich gewählten namen halbsächsisch (den Mätzner beibehalten hat 12 ) zurück. 13 ) nach diesen quellen, welche zeitlich und örtlich so sehr auseinander liegen, keine einheitliche darstellung der spräche erzielen. 8
doi:10.1515/bgsl.1874.1874.1.57 fatcat:yjgj4jvzmvdyjcytqqgwv77fla