Sitzung vom 14. November

C. Rammelsberg
1870 Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft  
a m m e l s b e r g . Nach erfolgter Genehmigung dea Protokolb der letzten Sitzung macht der Prasident die Mittheilung, dass seitens des Central-Comitk'e mr Pjtegs der Vemunhten und Kranken irn Felde ein Dankschreiben eingegangen sei fiir die demselben zur Verfiigung gestellten Desinfectionsmittel. Er fo:dert sodann Hrn. E. J u n g h a n a auf, einen Bericht iiber seme im Auftrage des Vorstaddes unternommene Reise in Desinfections -Angelegenheiten abzustatten. Hr. J u n g h a n k : Im Monat
more » ... ber d. J. babe ich im Auftrage des Vorstandes der Gesellschaft die Umgegend von Metz bereist und bin auf den Schlachtfeldern VOKI St. Privat, Amanvillers, Verneville im grosseren Maasse fiir Desinfection thatig gewesen. Die Mittel, welche fur diesen Zweck zu Gebote standen, waren Chlorkalk, Manganlauge (saure Riickstande bei der Chlorgasentwickelung), Carbolsaure in grosseren Mengen, Eisenvitriol und ein Desinfectionspulver , welches Carbolsaure und Eisenvitriol enthielt, in kleineren Mengen. Bei den dortigen Massengrabern, zahlreich nahe beisammen gelegen, und oft 100 bis 200 Todte bergend, so wie an den vielen, fast iiberall nur eingescharrten, Pferdecadavern, kam es darauf an, mit den gegebenen Mitteln sowohl eine sofortige Desinfection zu erwichen, als auch dieselbe auf iangere Zeit wirksam zu machen. Es wurde zu diesem Zwecke auf den grossen Grabhiigeln , welche eine Erddecke von 1-3 Fuss zeigten, mittelst Chlorkalk uild der sauren Manganlauge eine sofortige reichliche Chlorentwickelung dadurch eingeleitet, dass in eine Langsfurche, welche man einen Spatenstich tief auf dem Grabe zog , reichlicb Manganlauge ein5iessen gelassen wurde j hierauf wurde Chlorkalk in grosserer Menge, bis 100 Pfund, eingeschiittet, die Rinne mit Erde zugedeckt, der Hiigel weiter mit Chlorkalk bestreut und Erde aufgeworfen, resp. der Hiigel, d a wo nothig, erhiiht. -In der That zeigte sich nocb nach 10 bis 12 Tagenso lange konnte die Beobachtung ausgedeh~t werden, in der nacbsten Umgebung und bis auf einige bundert Schritte von Orten, wo mehrere so behandelte Graber zusammeulagen, ein deutlicher Chlorgeruch. Namentlich trat der Qeruch nach StiirKerem Regen, der die Chemikalien in Liisung zusammenfiihrte, merklich bervor.
doi:10.1002/cber.18700030262 fatcat:3yabydoshnegfjf6b7n5smnaue