Ueber die Wiedererzeugung des Sauerstoffgas der atmosphärischen Luft. Zweite Vorlesung gehalten in der natur-historischen Gesellschaft zu Hannover

G. W. Muncke
1810 Annalen der Physik  
c 296 3 VII. U e b e r die Wiedererzeugiing des SauerJtofiggs der atmo fp?iuri fchen Luyc. Z w e i t e V o r l e f u n g , gehalten in der ,rrarur.IiiTtorilclien Gelellfchaft zu Hannover von G. W. i V U N C K , E ¶ I l l l p e c t o r a m G e o r g i a n u m z u H a n n o v e r . &Ieipe erfte Vorlefung tiber diefen Gegenfiand (Anpal. rSog. St. 12. oder N. F, B. 5. S. 423.) war hiftQrikhen Inhalts; die jetzige wircl von meisen eigenen Unterfuchungen handeln. Die Verh c h e Anderer, welche ich i
more » ... erer, welche ich i n jener angefuhrt habe, d i e Schliilra, die man aus ihnen gezogen hat, und das .encllictie fiehltat derfelben, waren mir mit grofserer oder geringerer Deutlichkeit bek a n n t , aIs~,ich'~in meinem $$erne der-atomijtifchen Pliyfik auF die Wiedhrerzeugung des Sauerfioffgas der atrnofphSrifchen L u f t l a m , und darfiber eine Theorie auffiellte, die durch neue Verfuche zu priifen war. Diefe Priifung habe ich €chon vor dem Abdrucke cles Manufcripts angefangen, u n d bis jetzt fortgeletzt. Sie ift zwar noch nicht ganzlich vollenclet, doch find die Refultate ¶ welche ich fchon erhalten hahe, zur Unterftiitzung der aufgeftellten Theorie hinreichend, I: 297 3 uncf ich tlarf daher hoffen, dafs'6e bei aller ihrer Un v 01 I k o m m en h ei t den n o ch ein e n n i c h t u n be d e utenclen beitrag zu d e r E r f o r k h u n g cler Naturopcrationen liefern werden. Ich will hier zuerf? i n d e r ICiirze die SchIuTs-Reihe wierlcrholen, welclie ich in meinem Syfteme d e r atomifiiklien Phyfilr aufgefiellt habe. Sie ift folgende : Genaue Unterluchungen ergeben , dafs das Sauerfioffgas d e r Atmofphire irn Allgemeinen zur Bilclung von WaTfer und von Iiohlenfaure verwpntlet wird, abgerehen von d e r vie1 geringeren Menge, die zur JZiltlunS anclerer Siiuren und 0x7d e rlient. Die Menge des WaFfers unit rler Kohlenfaure vermehrt fich aber nicht auf tler Erde, wie die Erfahrung lehrt; wir miiffen alfo nach d e t allgerneinen Regel, von d e r fich ftets gleichbleibenden Ordnung d e r Dinge , annehmen, dafs das Sauerfioffgas aus diefen beiclen Su bftanzen wieder hergeftellt uncl d e r Atmofphare wieder gegehen werde. Dafs nun die Kohlenriiure, die immerfort in fo grorser Menge erzeugt wird, Gch wieder mit dem Waffer verbindet, und alsdann von den Ptlanzen zerlegt w i r d , ift aus den Veriuchen S e n e b i e r's untl I n g e n h o u fs's als unlsugbare Tliatfache erwieren, u n d von ihren Gegnern nicht eigentlich widerfprochen morden. Lielse fich daher erweilen, dafs auch das Waffer durch die Vegetation zerlegt wird, fo wurden die griifsten Schwierigkeiten iu der Beantwortunz der aufgsworfenen Frage wegfallen. Haben iich i n d e k \ gleich einige wirklich auf cliefen Procefs d e r Zer-Iegung des tvaffers durch die Pflanzen berufen, fo k a m man doch endlich wieder clarauf zuriick, dafs die Qiiantitat des durch Vegetation entpickelten Sauerfioffgas d e r Conlurr.tion deflelben keinesweg e s gleich komme. Bei vveiterem Nachdenken iiber diefen Gegenftand k a n n ich die Genauigkeit J e r ansefiellt e n Verfuche eben fo wenig bezweifeln, als die Hichtigkeit cler gefzllten Schhfre liiusnen. Doch Echien es m i r , die P r o d u k t e , die man bei d e r Analyfe d e r Pflanzen erhalt, feyen eben fo fehr zu beruckhchtigen. Die Pflanzen beftehen aus Wafferfioff , Kohlenftoff u n d etwas Sauerftoff, [wenn anders diefer letztere ein beftandiger und aothwendiger Begleiter aller Pflanzentheile ifi, u n J iiicht viylmehr oft erft bei d e r Zerlegung a u s d e m vocliancfrnen Waffer gebildet wird, und a n die Kohle tritt). L)iel'e Subfianzen find nicht blofs d e n Vegetal)ilien iiberhaupt eigen ) fondern eine tibermsfsige M e n g e vegetabilifcher I k r p e r , als d i e Grafer, Ih-Zuter, B k t t e r d e r Biiume u. f. w. erneuern fich alle Jahre, und vergehen wieder, urn durch die immer wechfclnden Verbinclungen und Trennungen zu neuen Bildungen vorhereitet zu werrlen. D a wir keine fortgefetzte Schiipfung aus Nichts und keine Verwanrllting jn [uichts gefiatten kijnnen, fo miiffen wir, nach einem richtigen SchlLlife, annebmen, dais die Bcftaodtheile vorher irgendwo vorhanden waren. Angenom-men , dafs aller Kohlenfioff , d e r den Vegetabilien
doi:10.1002/andp.18100340308 fatcat:vwnojcbsojfrvgzqc3wkgtqfaa