Ueber die Formeln der natürlich vorkommenden Silikate

Charles Gerhardt
1835 Journal für Praktische Chemie  
G c r h a r d t, iiber die Formeln der Silikate. 45 rend die daneben stehende niineralogische Formel der Analyse g e~~s u entspricht. Dieselbe u nrichtige chemische Formel findet sich dann auch in P oggcndor f P's Annulen, Bd. X U Offenbar gescliah diess blos durch Druchfehler, aber der Xachthcif, der daratrs fur die Wissenschaft entstehen kann, ist ,leicht einzusehen , d a nicht Jeiler, bei Nachschlagung eirier Formel, Zeit noch Lust hiit, sie nachzurcchiien. Ferner aiiid oft die Ansicliten
more » ... t die Ansicliten iiber die Zusammensetzung eines Silikates verschieden , obgleich nur eine Snalyse dariiber erschienen ist. Meistentheils wuide aber die Formel, die ein Chemiker, dessen Autoritiit anerkannt ist, aufgestellt hat, aus eiiiem Werke in das andere iibertragen, ohne dass dabei berucksichtigt wurile, wie dieselbe gerechnet sei. Endlich haben sir:h auch die Ansichten uber die Zusammensetzung der Sililtate seit dem Erscheinen von B e r z e 1 i us ' Y W e r k hin und wieder geiindert, uhd schon diess machte eine Revision ihrer Formeln nothwenrlig. Ich habe daher siimmtliche Anslyscn der Siiikate, so weit sic Zutrauen zu veriliencn schienen, gesammclt, die Pormclri daraus bcrechnet und dann mit den fuller aufgestellten ver-Ueberall habe ich nngenommen, dabs alle Basen mit 2 Mg. Sauerstoff, also k, sich vertreten kiinnen, und eben so a!lc mit 3 Big. Sauerstoff, I t oder fi. B c r x e 1 i u s hat dieses niclit iiberall in A~iwetidnng gehracht, Utid i:ur da, w o die genanntcn Basen unter sich k t bcinelo einCaolreu \'erha:tnisse sbnden, brachte er sie in cin Glied. Ich habe dagegen jcdesmal, wcnn in eiwm Silihnle zn-ei Basen, z. B. balk uud Dhg;aesia, mit einander vorlmnen, aoch menn sich ein einfackes Verhidtniss ewischen ihrcm Sauer-stof~gehsltc zeigte, dieselben dennoch addirt und in cin Glied gebraclit. So hat B e r z c l i u s fur den Anorthit folgcnde For-me1 aufgestellt : M S -I-2 C S + 8 A S . Diese Formel entspricht sehr nahe dem ResuItate der Annlyse, genauer noch abcr wird sic, wcnn man K J k uiid Magnesia zusanmen bringt, aiso die Formel : glich cn. 46 Gerhardt, iiber die Formeln der Silikate. X'fmmt man das Geseta der Sabstitutionen einmal an, so ist keiu Gruiid vorhanden , warum man dasselbe nicht iiberall onnehmen sollte. -4uf diese Art gelangte ich auch unter andern zu einer Classe von Silikaten, die bis jetzt noch nicht allgemein vorzukommen schien , niimlich zu neuntel Silikaten ( R 6 i oder =r RSS), von denen B e r z e l i u s nur ein einziges auffuhrt , niimlich neuntel kieselsuures iMan!lanoxyd %€n3Si , von Piemont. Xmmt man iieuntel SiliBate an, so ist nicht einzusehen, marum nicht eben so gut zwei-, drei-, vier-, fiinf-, sechs-, sieben -, achtneutttel Silikate sollten vorliommen kiinncn. S o fand ich alu Vundamentalformel fur Hornblende, Aagit, IIypcrsthen, 1)iallng.e : also ein sieben-oeuntel Silikat, wo R = Kalk, Magnesia, Eisenoxydul, Manganoxydul, die sich gegenseitig vertreten. Dass diese Formel genau ist, und vie1 genauer als slle iibrigen, wird man weiter nnten ersehen. Ferner habe ich auch vier-drittel Silikate aufgefiihrt , in der Voraussetzung, dass dieselben eben so gut als drittel, zweidrittel, dreidrittel (oder neutrale) angenommeti merden Iidrrnen. J3 e r z e l i u s riihrt zwar schon eiuige aul; aber nimrnt ihre Exis t e w nur ungern an. Auch fand ich , dass Mineralien, bestehend aus zrvei Silitnten, also Doppelsilihate, dieselben Silikrte in ihrer Mischung besassen , nur in verschiedenen Verhiiltnissen mit einander verbunden.
doi:10.1002/prac.18350040105 fatcat:4hbgwxnxtnaqblxmkqrrihhxdu