Unterwasserarchäologie, Methoden und Ziele

Helmut Schläger
2021
Robert Koldewey iiberschritt als erster Altertumsforscher die Grenze zwischen den an Land gelegenen, damit erforschbaren, und den im Meer als unwiderbringlich verloren erscheinenden Monumenten, als er, selbst tauchend, die Mole von Mytilene untersuchte1. Koldewey eilte damit seiner Zeit weit voraus und wies einen Weg, den wir tins erst heute, nach mehr als 80 Jahren, anschicken, zogernd zu beschreiten. Welche Mbglichkeiten die uw-archaologische Forschting bietet, zeigen die Erfolge, welche in
more » ... r Hauptsache von franzdsischen, englischen und besonders amerikanischen Forschern erzielt werden konnten. Wie sehr die Notwendigkeit besteht, dab auch die deutsche Forschting ihren Blick auf diesen neuen Zweig der Altertumsforschung richtet, wurde von Kurt Bittel eindringlich mit der programmatischen Feststellung vor Augen gefiihrt, dafi die Archaologie heute ein ebenso vielschichtiges wie unbegrenztes Thema sei2. Was hier als ganz allgemeingiiltig ausgesprochen wird, erfahrt seine ins einzelne gehende Begriindung mit einer Erlauterung heute angewendeter neuer technischer Me thoden und deren wissenschaftlicher Nutzanwendung auf dem Gebiet der Altertums forschung. Zur Frage der Uw-Archiiologie stellt Bittel eindeutig fest, dab sich dieser neue Forschungszweig zu einern systematischen und vollwertigen Verfahren entwickelt habe, das nicht mehr entbehrlich sei, die deutsche Archaologie aber erst am Anfang der Anwendung dieses Forschungszweiges stehe. In die Zukunft weisend steht die Forderung, dab es unbedingt geboten sei, in allernachster Zeit der Uw-Archaologie die voile Aufmerksamkeit zu schenken. Diese Ausfiihrungen von Kurt Bittel werden deswegen hier so eingehend zitiert, da es vor allem deutschen Wissenschaftlern vorbehalten scheint, die Untersuchungen unter Wasser liegender Monumenteseien es Bauwerke oder Wracksals technische Spielereien zu betrachten, die aus Abenteuerlust unternommen werden und jenseits jeder ernsthaften Forschting stehen. Damit wird aber doch die resignierende Meinung vertreten, dafi der Altertumsforschung Grenzen gesetzt sind, und sei es durch eine simple Strandlinie. Diese Aversion mag weniger im technischen als physischen und psychischen Bereich begriindet sein, denn in der Sache selbst unterscheiden letzten Endes eine Untersuchung der im Wasser liegenden antiken Monumente von den am Land versunkenen
doi:10.11588/bjb.1968.1.82713 fatcat:hugheoqzp5crhpnkbyjw5wh6xe