Kurt Schuschnigg als Katholischer "Kulturdeutscher"

Leonhard Woldan
2013 unpublished
Analog zur herkömmlichen Funktionsweise einer biographischen Betrachtung analysiert diese Arbeit mithilfe einiger thematischer "Querschnitte" das politische Weltbild Kurt Schuschniggs und versucht, ihn als "katholischen Kulturdeutschen", welcher nach seiner Kindheit in der "heilen Welt" der Donaumonarchie nach 1918 die christlich-soziale Politik als Bewahrer katholischer Werte , sowie eines gesamtdeutschen Kulturkreises entdeckte und sich demzufolge auch deutsch-nationalen Tendenzen nie
more » ... dig entziehen konnte, darzustellen. Die 4 Kapitel beginnen mit einem Überblick zur frühen konservativ-monarchistischen, katholischen Weltanschauung am Beispiel der familiären Tradition, der streng religiösen Erziehung sowie Schuschniggs Erlebnissen als Soldat während des ersten Weltkrieges. Der Beginn eines Studiums der Rechte sowie der Eintritt in die akademische Verbindung Austria Innsbruck bringen Schuschnigg in den frühen 1920-er Jahren erstmals mit der christlich-sozialen Politik in Verbindung, der "politische Katholizismus", betont klerikal und kulturell gesehen "gesamtdeutsch" gesinnt, und seine Führungspersönlichkeit Ignaz Seipel sollten schließlich die Begeisterung für die Politik wecken. Ein ständiger Begleiter der christlich-sozialen Bundespolitik, der Schuschnigg ab 1927 als Nationalratsabgeordneter angehörte, war zweifelsohne die so genannte "Anschluss-Debatte" rund um eine Vereinigung aller deutschen Staaten. Während Seipel einem Anschluss bis zuletzt offen gegenüberstand, ergab sich für Schuschnigg nach der Ermordung von Engelbert Dollfuß am 25.Juli 1934 und dem steigenden außenpolitischen Druck seitens des Deutschen Reiches ein Interessenskonflikt, den er mit einer Neudefinition des "Österreich-Begriffes" zu lösen gedachte. Das Festhalten an einem unabhängigen, österreichischen Staat mit kultureller deutscher Prägung fand jedoch im März 1938 ein jähes Ende. Dieser Kompromiss mit Hang zum Nationalismus, getragen von einer "Kanzler-Diktatur" mit faschistischen Zügen, bleibt bis heute ein heftig diskutierter Z [...]
doi:10.25365/thesis.26315 fatcat:k3zmea7gzngqdhwp2sl2tf2akm