"Provinz und Metropole-Metropole und Provinz"

Annett Gries
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so lautete das Motto des diesjährigen Denkmaltages. Dieses Motto führte auch eine Veranstaltungsreihe des Vereins Kulturland Brandenburg e. V. im Jahr 2008. Mit jährlich wechselnden thematischen Schwerpunkten und der Hilfe zahlreicher Kooperationspartner zielen die Aktivitäten des Vereins darauf ab, die Bewohner und Besucher der Region einzuladen, dass kulturelle Erbe und die kulturelle Vielfalt des Landes neu zu ent-decken. Gemeinsam mit der Brandenburgischen Archi-tektenkammer und der
more » ... mer und der Brandenburgischen Gesell-schaft für Landesgeschichte und Denkmalpflege e. V. beteiligten sich das Landesamt für Denkmalpflege und das Archäologische Landesmuseum im Vorfeld des 17. Denkmaltages mit vier Vorort-Veranstaltungen in Wildau, Neustadt, Luckenwalde und Jüterbog an dieser Veranstaltungsreihe von Kulturland Brandenburg e.V. Die Referenten der Vorträge, die am 10.10.08 anlässlich des 17. Denkmaltages gehalten wurden, waren Mit-arbeiter der Denkmalbehörde, Historiker, Eigentümer oder Vertreter von Institutionen, die Denkmalanlagen betreiben. Am 11.10.08 fand eine Exkursion in der Stadt Brandenburg statt, die eine Möglichkeit bot, sich über die neueren Restaurierungen und Bauforschungen an mittelalterlichen Profan-und Sakralbauten in Branden-burg zu informieren. Mit dem Verhältnis von Metropole und Provinz, als einem von Zentren und Umland, setzte sich der Red-ner des ersten Vortrags-Felix Escher-explizit aus-einander. Unter dem Titel: "Viele Hauptstädte und eine Metropole. Das "Ranking" brandenburgischer Städte im Mittelalter und der frühen Neuzeit (12.-18. Jhd.)" galt sein Augenmerk dem, was man auch heute unter dem Begriff "Ranking", zu fassen versucht,-einer Hierarchi-sierung von Städten. Kriterien für ein Ranking der Städte heutzutage sind: wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, Bewohnerzahl, Infra-struktur, Verortung von Institutionen. Im Mittelalter und der Frühen Neuzeit erfolgte die hier-archische Ordnung der Städte nach anderen Kriterien. Wie so ein Ranking evident wurde, stellt Felix Escher am Beispiel der Rangstreitigkeiten der Städte Stendal und Berlin / Cölln in Bezug auf Ehrenrechte in Gegen-wart des Landesherren dar. Anlässlich zeremonieller Einzüge wird das Ranking der Städte durch die räum-liche Ordnung ihrer Vertreter (Bürgermeister) innerhalb des Einzuges realisiert und sichtbar. Allgemeiner for-muliert: Ehrenrechte wie das Vorreiten, Gehen, Stehen, Sitzen in Gegenwart des Kurfürsten (und in Bezug auf ihn) zeigen die Position der Städte im Ranking an. Bei Rangstreitigkeiten, wie sie aus dem Jahr 1521 überlie-fert sind, musste vom Kurfürsten geklärt werden, wer wo und mit wem innerhalb eines Einzugs zum Land-tagen erscheinen konnte. Damals erhielt Brandenburg den Vorrang vor Berlin während der Einzüge anlässlich der Landtage, die nicht in der Altmark stattfanden. Kriterium für die Rangordnung war in erster Linie, ähnlich der Begründung der Ränge innerhalb des Adels / der adligen Familien, die Ancienität. Das heißt: Das Alter der Rechte, die eine Stadt innehatte bzw. wie lange der Landesteil bereits zur Landesherrschaft gehörte, in dem die Stadt lag, bestimmte die Ehrwür-digkeit und den Rang. So konnten Salzwedel und die Altmark einen hohen Rang einnehmen und Vorrang beanspruchen bei Landtagen, die in der Altmark statt-fanden. Durch die ständische Organisation der Landesteile gab es auch keine Hauptstadt oder Metropole im moder-nen Sinne. Sondern jeder Landesteil hatte seine eigene Hauptstadt. Für das Ranking mittelalterlicher Städte war ebenfalls entscheidend, ob am Ort kirchliche und/oder weltli-Rezension / Tagung Metropole und Provinz-Provinz und Metropole k 1/2009-1 Metropole und Provinz-Provinz und Metropole 17. Denkmaltag des Landes Brandenburg. Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum, Brandenburgische Gesellschaft für Landesgeschichte und Denk-malpflege e.V., Brandenburgische Architektenkammer. Brandenburg. Ritterakademie auf der Domin-sel. 10. und 11. Oktober 2008.
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